Erläuterungen zu ›Kaff auch Mare Crisium‹

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Der Kommentar besitzt aktuell 428 Einträge. Die letzte Änderung erfolgte am 5. April 2021.

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150.14
Keinkitzler, keinkitzler. (Kann brennen so heiß .....

Anspielung auf das bekannte Volkslied (erstmals 1807 veröffentlicht):

Kein Feuer keine Kohle kann brennen so heiß,
Als heimlich Liebe, von der niemand nichts weiß.

150.18
‹Schroeters Rule›

S. 148.23

150.18
Und die Kreisschlösser rutschtn unter uns hinweck

Zu den »Kreisschlössern« des Franz de Paula Gruithuisen s. S. 137.13.

150.19
Potz Pastorff & Greutheusen

Johann Wilhelm Pastorff (1767–1838, dt. Astronom.

Franz Paula von Gruithuisen (1774–1852) dt. Astronom.

150.20
1 Logarittmentafel; ne zehnschtellije: Wegawega

Der slowenische Mathematiker Georg von Vega (1754 od. 1756–1802) schrieb die zehnstellige Logarithmentafel ›Thesaurus logarithmorum completus‹, über deren Fehler Schmidt sich mehrfach ausgelassen hat; s. a. S. 272 f.

150.29
Auch ich war reif für eine ‹Barmherzigkeiz=Tasse› – : »Ein Humpen Kaffe Zucker Branntwein gemischt. Vo’m gewissn Jourdan erfunden […] »Nu; neidische Kolleegn nannten ihn ‹Coupe=Tête›.«

Mathieu Jouve Jourdan (1764–1794); frz. Revolutionär mit dem Beinamen »coupe-tête«, Kopfabschneider. Die »Barmherzigkeiz=Tasse« kannt Schmidt vermutlich aus dem ›Revolutions=Almanach von 1800‹, den er lt. Tagebuch am 4. Februar 1960, während der Reinschrift an ›Kaff‹, von Bläschke bekam (BVZ 850). Darin heißt es auf S. 172 f.:

Jourdan war von niedriger Herkunft, stark von Körper, plump von Geist, heftig von Karakter, und besaß einen zügellosen Hang zum Trinken und zu den Frauenzimmern. Doch war sein Herz im Laster nicht verhärtet, und alle menschliche Empfindung in ihm noch nicht erstickt. Mehr als ein Mahl sah man ihn die Hand den Unglücklichen reichen, und über seine Greuelthaten seufzen; dann bedurfte es der starken Getränke, um sein jähzorniges Temperament wieder anzufeuern. Die Barmherzigkeits=Tasse, ein großer Humpen voll Kaffee, Zucker und Branntewein, krönte seine Orgien, und betäubte seine Gewissensbisse. Alsdann kannte seine Wuth keine Grenzen.

151.32
‹Tücke des Opp=Jeckts›

Die bekannte Redensart von der »Tücke des Objekts« geht auf Friedrich Theodor Vischers Roman ›Auch Einer‹ (1879) zurück.

151.38
Handel=Mazetti, ‹Monografie der Gattung Taraxacum›

Botanisches Lehrbuch des österreichischen Botanikers Heinrich Raphael Eduard Handel-Mazzetti (1882–1940); »Taraxacum« ist der botanische Name für Löwenzahn.

154.32
Parrakleet

Der Begriff Paraklet wird mehrfach im Johannes-Evangelium benutzt und wird üblicherweise mit dem Heiligen Geist gleichgesetzt. – Am 16. Dezember 1955 schrieb Schmidt an Roland Schmid (KMV; BHW, S. 857):

Zumindest aber werde ich auf Dinge hinweisen, wie sie etwa in der 20. Auflage von »Ich« Seite 239 stehen; wo Sie auf Zeile 3 von oben von der Klinge sprechen, »die in der Faust der Vorverkünders funkelt«. Es ist natürlich eine unglaubliche schulmeisterliche Platitüde, den »Parakleten«, der ursprünglich hier stand, und der ja ein religionsgeschichtlicher Begriff ist, dergestalt, – und dazu noch so kakophonisch – zu übersetzen!

›Vom neuen Großmystiker‹ (Dialog, Januar 1956, BA II, 1, S. 213):

1. Sprecher: […] »Schrei nicht, o Scheik; ich sage Dir, schrei nicht! / Denn wer da schreit, ist dieser Qual nicht wert; / wird weggeworfen in den Brack und Plunder, / und muß dann wieder eingeschmolzen werden. / : Du aber willst zum Stahl, zur Klinge werden, / die in der Faust des Parakleten funkelt : / Sei also still!«

2. Sprecher (unterbrechend): Was sind das für Verse?!

1. Sprecher: Eine Probe aus dem einzigen Bühnenwerk Mays – allerdings die ‹schöne Stelle› […].

154.36
‹Je sème à tout vent› – wo hatt’ich das Motto schnell noch geleesn? Vorm Großen LAROUSSE?

Frz.: »Ich säe aus in alle Winde«; Motto des Wörterbuch-Verlags Édition Larousse zum Bild einer Frau, die die Samen eines Löwenzahns (Pusteblume) wegbläst (Abbildung hier); der ›Grand Larousse illustré‹ ist eine dreibändige Enzyklopädie.

154.39
Potz Achänen & Pappushaare

»Achäne« ist der botanische Name einer Sonderform der Nussfrucht, die u. a. bei den Korbblütlern wie etwa Löwenzahn vorkommt.

»Pappus« ist der botanische Name für den Haarkranz auf den Früchten der Korbblütler.

155.14
Und machte ‹die Kehre› zu mir

s. Kommentar zu S. 80

155.33
» ‹Ver=Gewalltijen›?: Mein lieber Kardel! – Wir haam das ma probeweise versucht, Dein Onnkl Lutwich & Ich: op er mich, alln Ernsdis, vergewalltijn könn=te ...«

Schmidt verarbeitet hier eine briefliche Mitteilung von Dorothea Schlotter vom 8. Dezember 1957 (BES, S. 63):

Ich mußte daran denken, daß ich mal mit Eberh. »rücksichtslos« probierte, ob er mich vergewaltigen kann. Es war nicht möglich.

156.7
Aber sie war & bliep unzufriedn. Rumohrte & schimmfte leis’.

Im Interview mit dem NDR erläutert Schmidt die Schreibweisen in ›Kaff‹ u.a. mit diesem Beispiel (BA Sup 2, S. 15):

[…] an einer Stelle »rumohren« Töpfe auf dem Küchenherd, das schreibe ich mit »h«, weil jeder mit der älteren Literatur bekannte Leser sofort an den Baron von Rumohr denkt, an den Verfasser des »Geistes der Kochkunst« […]

Ähnlich auch in ›Das Geheimnis von Finnegans Wake‹ (BA II, 2, S. 473):

Wenn, meinethalben, in einem Buch auf dem Küchenheerd Töpfe & Pfannen lecker rumohren : dann muß es mir erlaubt sein, dies mit einem ‹h› zu schreiben; Hinweis auf den Verfasser des Geistes der Kochkunst.

157.2
FEAR FAMINE & SLAUGHTER

›Fire, Famine, and Slaughter: a War Eclogue‹ ist ein Gedicht von Samuel Taylor Coleridge (1772–1834) aus aus dem Jahr 1797.

157.25
Beruflich?: ne Null: n Scheiß=Lagerbuchhalter bei FALK; mit 420 Mark=brutto im Monat.

Karl Richter bewegt sich am unteren Ende der Gehaltsskala, sein Gehalt entspricht ungefähr dem der Leistungsgruppe IV, das 1959 bei durchschnittlich 444 DM lag. Weniger verdienten nur noch Angestellte der Leistungsgruppe V, die durchschnittlich 387 DM im Monat verdienten. Das durchschnittliche monatliche Bruttogehalt der Leistungsgruppe III lag bei 647 DM (s. BB 20).

158.1
Schöpf=Löffel – oder war’s 1 Écumoir?

»Écumoir«, frz. für »Schaumlöffel«; Anspielung auf das erotische Märchen ›Tanzai und Neadarne oder Der Schaumlöffel‹ von Claude-Prosper-Jolyot de Crébillon; s. a. S. 78.4.

159.3
Laufjägerlauf!

Refrain des Volksliedes ›Ein Jäger längs dem Weiher ging‹:

Ein Jäger längs dem Weiher ging,
lauf, Jäger lauf!
Die Dämmerung den Wald umfing.
Lauf Jäger, lauf Jäger,
lauf, lauf, lauf,
mein lieber Jäger, guter Jäger,
lauf, lauf, lauf,
mein lieber Jäger lauf,
mein lieber Jäger lauf.

[…]

159.13
‹Vor Sonnenaufgang›