Erläuterungen zu ›Kaff auch Mare Crisium‹

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Der Kommentar besitzt aktuell 428 Einträge. Die letzte Änderung erfolgte am 5. April 2021.

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130.39
Unt ‹DAHEIM›; im ‹VATERHAUS›

›Daheim. Ein deutsches Familienblatt mit Illustrationen‹, illustrierte Zeitschrift, die von 1864 bis 1943 erschien; zu ›Vaterhaus‹ s. Kommentar zu S. 93.34.

132.1
‹1 Nachtgeschirr aus GOLD›

Thomas Morus, ›Utopia‹:

Denn da sie aus zwar sehr zierlichen, aber billigen thönernen und irdenen Gefäßen essen und trinken, so verfertigen sie aus Gold und Silber Nachtgeschirre und andere zu niedrigstem Gebrauche bestimmte Gefäße für die gemeinschaftlichen Hallen sowohl als für Privathäuser.

Evtl. auch eine Anspielung auf E. Th. A. Hoffmanns ›Der goldene Topf‹. Am 19. August 1813 schrieb Hoffmann an seinen Verleger Carl Friedrich Kunz

[…] der Jüngling […] wird in unendliche wahnsinnige Liebe verstrickt für eine der grünen – er wird aufgeboten – getraut – bekomt zur MitGift einen goldenen Nachttopf mit Juwelen besezt – als er das erstemahl hineinpißt verwandelt er sich in eine Meerkater u. s. w. […]

132.4
Und grätschelte immer noch über der Kanne; ‹CHAMBER=MUSIC›; (obwohl die Aneckdote nich schtimmt: Stanislaus Joyce beschtreitetz; und sein Zeugnis wiegt 6 Gormans auf.

»The title ›Chamber Music‹ was reportedly a pun relating to the sound of urine tinkling in a chamber pot« (heißt es hier, Gormans Joyce-Biographie selbst liegt mir aktuell leider nicht vor). Die Biographie bekam Schmidt lt. Tagebuch am 12. Juni 1959 und notiert dazu: »Ich lese den Gorman - nicht gut!« Zur angeblichen Bedeutung des Titels ›Chamber Music‹ schreibt Stanislaus Joyce in ›Meines Bruder Hüter‹ in der Übersetzung von Arno Schmidt, an der Schmidt von März bis Oktober 1959 gearbeitet hat (S. 276 f.):

Ich hatte für die Sammlung bereits den Titel ›Kammermusik‹ vorgeschlagen, und Jim hatte eingewilligt. Eine andere Version bezüglich des Ursprungs dieses Titels, steht in Herbert Gormans Biografie meines Bruders; aber die dort wiedergegebene Anekdote – die die Fantasie diverser amerikanischer Kritiker gekitzelt zu haben scheint, und Anlaß zu mindestens einem Buch geworden ist –, woher auch immer sie stammen mag, ist falsch.

132.34
Auch Karlmay=Seine war schließlich erst Gul=i=Schiras geweesn; dann Pekala;

Gul-i-Schiras und Pekala sind zwei Frauenfiguren aus ›Im Reiche des silbernen Löwen‹. Gul-i-Schiras (»Rose von Schiras«) ist eine persische Prinzessin; Pekala (»die Köstliche«) eine Köchin, die zuerst als zwar einfältig, aber gutmütig und hilfsbereit dargestellt, später aber durch Dummheit, eine Liebesaffäre mit dem Aschyk und Schwatzhaftigkeit zur Verräterin wird. In dieser Figur porträtierte May seine erste Frau Emma Pollmer, von der er sich im Januar 1903 – während der Arbeit am Roman – scheiden ließ.

133.33
das vergaß sie Rappatzkie’s nie! (Einerseiz mit Recht. Andererseiz ist jener Plan natürlich ...)

Der polnische Außenminister Adam Rapacki schlug erstmals 1957 die Schaffung einer atomwaffenfreie Zone in Mitteleuropa vor. – Am 23. Oktober 1959 schrieb Schmidt an Wollschläger (BHW, S. 199):

Nochmals Dank & Gruß!: Es lebe der Rapacki–Plan !

Am 27. Oktober 1959 an Wilhlem Michels (BWM, S. 134):

Heute soll die Tass das erste Foto von der Mond=Rückseite gebracht haben : es lebe der Rapacki=Plan!

Am 23. November 1959 antwortete er auf die Frage, was ihn »im letzten Jahr am meisten […] gefreut« habe (BA Sup 2, S. 201):

Der Rapacki-Plan

135.6
»Im Weiden=Nest.« […] »Das Zümmbaal des Moondes. Von Fetzen umlappt.« (Hertha; a la ‹3 Ziegeuner fand ich einmahl›.)

Anspielung auf ›Die drei Zigeuner‹ von Nikolaus Lenau:

Die drei Zigeuner
Drei Zigeuner fand ich einmal
Liegen an einer Weide
Als mein Fuhrwerk mit müder Qual
Schlich durch sandige Heide.

[…]

Und der dritte behaglich schlief,
Und sein Zimbal im Baum hing,
Ueber die Saiten der Windhauch lief,
Ueber sein Herz ein Traum ging.

An den Kleidern trugen die drei
Löcher und bunte Flicken,
Aber sie boten trotzig frei
Spott den Erdengeschicken.

[…]

137.8
Dahin=dahin möcht’ich mit Dir

Zitat aus dem Lied der Mignon im ersten Kapitel des dritten Buches von Goethes ›Wilhelm Meisters Lehrjahre‹:

Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn,
Im dunkeln Laub die Goldorangen glühn,
Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,
Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht,
Kennst du es wohl?
Dahin! Dahin
Möcht' ich mit dir, o mein Geliebter, ziehn!

137.13
Und hoch, in die Kreisschlösser

In seinem im Februar 1959 geschriebenen Dialog ›Die Kreisschlösser‹ beschreibt Schmidt Gruithuisens Theorie eines bewohnten Mondes (BA II, S. 239–241):

A.: Beim Sinus Hipponiates sieht er mehrere der Trampelpfade zusammenlaufen: »Werden hier Wallfahrten her gemacht? Oder wird da Bergbau betrieben? Haben die Mondbewohner auch Straßen unter dem Boden? Die Umstände erzeugen bey ihnen allerdings ein Bedürfnis der Wanderungen auch bey Nachtzeit.« – Vielleicht erleben wir noch, wie diese Gruithuisenschen Theorien von lunarischen Untergrundbahnen zwischen den einzelnen Kreisschlössern befahrbarste Wirklichkeit werden. […]

[…]

A.: Unvergessen jedoch sei der letzte Vorschlag des quijotisch=ingeniösen Mannes. Um eine direkte Verständigung mit den von ihm vermuteten Seleniten aufzunehmen, erkannte er die einzige Möglichkeit in der – notwendigerweise auch Jenen geläufigen – Geometrie: Wer Städte bauen kann, muß Mathematiker sein! Also proponierte er der Petersburger Akademie der Wissenschaften: in den Weiten Sibiriens riesige Steckrübenfelder anzulegen, in der Figur des Pythagoräischen Lehrsatzes. Ein leeres rechtwinkliges Dreieck; die Quadrate der Katheten, wie das der Hypothenuse, farbig bepflanzt. Nicht lange würde man, so vermeinte er, zu harren haben, um die entsprechende optische Antwort neben einem seiner Kreisschlösser zu erblicken.

137.25
Und wenn mir auch die Ent=Rüstung nicht gelungen war: die Entrüstung scholl & groll so voll & echt, wie das Glück von Edenhall;

›Das Glück von Edenhall‹ ist ein Gedicht von Ludwig Uhland:

Der Schenk vernimmt ungern den Spruch,
Des Hauses ältester Vassall,
Nimmt zögernd aus dem seidnen Tuch
Das hohe Trinkglas von Kristall,
Sie nennen's: »das Glück von Edenhall«.

[…]

Und als das Trinkglas gellend springt,
Springt das Gewölb mit jähem Knall,
Und aus dem Riß die Flamme dringt;
Die Gäste sind zerstoben all
Mit dem brechenden Glücke von Edenhall.

[…]

»Die Steinwand«, spricht er, »springt zu Stück,
Die hohe Säule muß zu Fall,
Glas ist der Erde Stolz und Glück,
In Splitter fällt der Erdenball
Einst gleich dem Glücke von Edenhall.«

137.31
wyandottisches Kint […] echte Wyandotten & Leghorns

Wyandot sind ein Indianerstamm der Huronen; unter anderem von James Fenimore Cooper in seinen ›Ledestrumpf‹-Romanen geschildert, Cooper schrieb auch einen Roman ›Wyandotté‹. Gleichzeitig bezeichnen »Wyandotten & Leghorns« zwei amerikanische Haushuhnrassen.

137.36
Potz greengages & Celler Dickschtiel

Greengage ist eine Pflaumen-, Celler Dickstil eine Apfelsorten.

138.1
»Wer sein altes Heim verläßt, pflegt vorher für 1 neues zu sorgen. –: WirsDu=Dir, wenn Du schtirpst, eine himmlische Wohnung gesichert habm?«

Zitat aus Karl Mays ›Himmelsgedanken‹ (S. 42):

Wer sein altes Heim verläßt, pflegt vorher für ein neues zu sorgen. Wirst du dir, wenn du stirbst, eine himmlische Wohnung gesichert haben?

138.18
‹Heute wollen wir 1 Liedlein singönn: trinken wollän wir den kühlen Uain›

Beginn von Hermann Löns’ ›Matrosenlied‹, s.a. 118.31 u. 139.1.

138.35
Billy Grähämm

Der als »Maschinengewehr Gottes« bekannte und sehr einflussreiche US-amerikanischer Erweckungsprediger Billy Graham (1918–2018).

139.1
‹Denn wir fah=ränn: Dänn wir fah=ränn …›

Zitat aus Löns’ ›Matrosenlied‹; vgl. a. S. 11831 und S. 138.18.