Erläuterungen zu ›Kaff auch Mare Crisium‹

!
Obacht! Sie befinden sich auf einer Baustelle von mare-crisium.de. Hinweise, Kommentare und Ergänzungen aller Art sind jederzeit willkommen. Schreiben Sie einfach an redaktion@mare-crisium.de.

Der Kommentar besitzt aktuell 299 Einträge. Die letzte Änderung erfolgte am 16. April 2017.

Seiten [Anzahl der Kommentare]

009–019 [26]020–029 [11]030–039 [09]040–049 [16]050–059 [09]
060–069 [08]070–079 [18]080–089 [09]090–099 [16]100–109 [11]
110–119 [17]120–129 [20]130–139 [07]140–149 [11]150–159 [16]
160–169 [07]170–179 [11]180–189 [09]190–199 [10]200–209 [13]
210–219 [07]220–229 [05]230–239 [08]240–249 [04]250–259 [07]
260–269 [07]270–277 [07]Alle Einträge
9.12
Infolgedessen wird, auf Antrag des Autors, wie folgt verfügt […]

Die Vorrede zum Roman adaptiert die Vorrede von Mark Twains ›The Adventures of Huckleberry Finn‹:

NOTICE
PERSONS attempting to find a motive in this narrative will be prosecuted; persons attempting to find a moral in it will be banished; persons attempting to find a plot in it will be shot.

BY ORDER OF THE AUTHOR,
Per G.G., Chief of Ordnance.

Am 18.8.1959 notiert Schmidt in seinem Tagebuch:

Ich lese Twain 'Huckleberry': sehr gut!

BB 4, [S. 10]
Huckleberry Finn
11.1
Nichts Niemand Nirgends Nie

Die Formulierung, die den gesamten Roman leitmotivisch durchzieht, erinnert an den 54. Sektor von Jean Pauls ›Unsichtbarer Loge‹:

Ein singendes Wesen schwebte durch unser Tal, aber von Blättern und Dämmerung versteckt, weil der Mond noch nicht auf war. Es sang schöner, als ich noch hörte:

– – Niemand, nirgends, nie.

BB 4, [S. 10]
Jean Paul, Die unsichtbare Loge
11.8
Tütenzelte von Seleniten

Der Selenit: der Mondbewohner […]; – dann heißen auch in der Mineralogie Seleniten: gewisse durchsichtige Steine (auch Gypsspat, Marienglas genannt), welche einen gewissen gräulichen Perlmutterglanz, und solch blättriges Gefüge haben, daß sie sich mit dem Messer in ganz dünne Blättchen oder Scheiben zertheilen lassen.

BB 17–18, S. 3
Brockhaus
11.27
Hier wurde der Hintergrund noch undeutlicher. (Oder waren bloß wieder die Brillengläser beschlagen? Prüfend Kopfkreisen –: ? –: Nee; Nicht=Ich; nix Kahmhaut. Gewöhnlichster hundspoetischster Nebel.)

Vgl. das Fragment ›Die Feuerstellung‹ aus dem Jahr 1955:

Nebel im Wald. (Oder waren bloß wieder die Brillengläser beschlagen? – Prüfend Kopf kreisen; – ? –: Nee: Nicht=Ich!)

Also gemeinster poetischer Nebel, bon, und ich nickte ihm innig zu: die Kahmhaut eines Himmels, in der es nachher von 3000 Sternbazillen wriggeln würde.

BA Sup I, S. 37
11.29
Kahmhaut

Mycodérma Pers. (Kahmpilz), Pilzgattung von zweifelhafter Verwandtschaft, von manchen Forschern zu den Hefepilzen gestellt, hefenartig sprossende, ovale bis zylindrische, zu reichverzweigten Zellenreihen verbundene Zellen, die eine farblose Haut (Kahmhaut) auf der Oberfläche vergorner und halbvergorner Flüssigkeiten bilden [–].

Meyers
11.30
Zwischendurch auch ‹Kaff› erklären : »IhrinSchlesien hättet Schpreu gesagt; gelblich iss 1 wie’s Andere.«

Kaf (arab. Myth.), das weltumfassende Gebirge, der Sitz aller Feen, Genien u. Geister, welches auf einem einzigen Smaragd, dem Zahra, ruht, durch dessen Wiederschein das azurne Blau des Äthers entsteht, u. dessen Bewegungen Erdbeben, feuerspeiende Berge u. dgl. hervorbringen.

Kaff, 1) so v.w. Spreu; 2) Abgang aller Art; 3) schlechte Waare.

BB 4, [S. 10]
Pierer
12.5
Dann sieh Dir doch so lange Cromwell an

Oliver Cromwell, englischer Staatsmann, *25.4.1599 Huntingdon, † 3.9.1658; erhielt 1653 als »Lord Protector« die oberste Staatsgewalt. Unter seiner Regierung wurde England zum mächtigsten Staat Europas.

 
12.9
ESSENTIAL JAMES JOYCE

›The Essential James Joyce. With an Introduction and Notes by Harry Levin‹, London, Cape 1948. – Der rund 540 Seiten umfassende Sammelband wurde mehrfach nachgedruckt; Schmidt besaß die Ausgabe von 1956 (BVZ 549.5). Vgl. den Brief vom 20. Mai 1959 an Wilhelm Michels, in dem Schmidt darum bittet, den Band zu bestellen (BWM S. 118).

 
12.23
Zu Schnecken ohne Haus sagten wir: »Na; Schneck?«; zu solchen mit Haus: »Nun? Herr Schneck?«

Aus Arno Schmids ›Hundstagsspaziergang‹:

Zu einer Schnecke ohne Haus: »Na Schneck?!«;
zu einer Schnecke mit Haus: »Nun, Herr Schneck?«

Alice Schmidts Tagebuch 2.7.1955:

Bei Spaziergängen: zu Nacktschnecke[n] wird einfach gesagt: »na, Schneck?« Zu solchen mit Häusern (also wohlhabenden): »nun, Herr Schneck?«

BA I, 4, S. 177
Alice Schmidt, ›Tagebuch 1955‹, 2.7.
12.27
Potz Osservatore Romano & Kraßny Flot

›Osservatore Romano‹, ital. = Der römische Beobachter; Titel der 1861 in Rom gegründeten vatikanischen Tageszeitung.

»Kraßny Flot«(Krasnyi Flot), russ. = Rotte Flotte; Name der Marine der Sowjetunion.

 
12.27
nischt wie ‹LOMONOSOFF› und ‹ZIOLKOWSKY›

Namen zweier Mondkrater, benannt nach Michael Wassilijewitsch Lomonossov (*9.11.1711, †15.4.1765) und Konstantin Eudardovic Ciolkovskij (*17.9.1857, †19.9.1935).

 
12.33
»Nee.« beschtätichte sie eisenseitich=rundköpfich

»Ironside« war der Name eine Kavalleristen unter Oliver Cromwell; „Roundhead“ war der Spitzname der Puritaner, die Oliver Cromwell im englischen Bürgerkrieg gegen Karl I. unterstützten; vgl. auch auf der gleichen Seite »Dann sieh Dir doch so lange Cromwell an.«

BB 17–18, S. 3
 
13.6
Schtrohberge vorm Waldrand

Tagebucheintrag von Arno Schmidt, 5.8.1959:

Einfall: 'Strohberge' (ich sehe oft drüben hin mit Fernrohr, und überlege)

 
13.19
Rascheln ? – Irgendein Woodwose ?

The Woodwose (Old English: wuduwasa) or Wildman of the Woods is a mythological figure that appears in the artwork and literature of medieval Europe. […] The woodwose, pilosus or »hairy all over,« and often armed with a club, was a link between civilized humans and the dangerous elf-like spirits of natural woodland, such as Puck.

BB 17–18, S. 4
[Wikipedia]
15.8
‹GLASS TOWN›

Vgl. dazu Arno Schmidts Rundfunkessay zu den Brontë-Schwestern (›Angria & Gondal. Der Traum der taubengrauen Schwestern‹):

A.: GLASS TOWN ist die Hauptstadt des ‹Heiligen Landes›; hier residieren und wirken zunächst die 12 Herren aus lackiertem Holz, an ihrer Spitze Arthur Wellesley – bis dann, später, Jeder seine eigene Provinz zugewiesen erhält: die Fabel erweitert sich ins Maßlose!

BB 17–18, S. 4
BA II/2, S. 416.
15.32
Und, hoppalá, der Übergang über die Beresina

Die Beresina ist ein Fluss in Weißrussland, der von Napoleon beim Rückzug von Moskau am 28.11.1812 überschritten wurde; diese Assoziation führt aber wohl auf die falsche Fährte: Schmidts nannten ein Flüsschen in Bargfeld privatim »Beresina«.

 
15.33
Schtill! : Meine heilje Seele kräuselt sich ! – : Nicht ich, mein Herz : Mörike=Mörike !

Anspielung auf Mörikes ›Der letzte König von Orplid‹ im ersten Buch des ›Maler Nolten‹:

KÖNIG. Ein König, ist er nicht ein Priester auch?
Still, meine heilige Seele kräuselt sich,
Dem Meere gleich, bevor der Sturm erscheint,
Und wie ein Seher möcht ich Wunder künden,
So rege wird der Geist in mir
– Freilich, zu trüb, zu trüb ist noch mein Aug –
Ha, Sklave, schaff das Buch! mein lieber Sklave!

BB 17–18, S. 4
Mörike
16.14
Thünen, ‹DER ISOLIERTE STAAT›

Gemeint ist Johann Heinrich von Thünens ›Der isolirte Staat in Beziehung auf Landwirthschaft und Nationalökonomie, oder Untersuchungen über den Einfluß, den die Getreidepreise, der Reichthum des Bodens und die Abgaben auf den Ackerbau ausüben‹ (1826).

 
16.17
»Der Schiefer wird, solange er noch weich ist, an Ort & Schtelle in Platten geschpalten: […]«

Die Beschreibung der Schieferbearbeitung übernahm Schmidt aus dem Pierer.

Pierer
17.17
Wenn ich nur gewußt hätte, was dieser ‹Tripel› ist, mit dem man angeblich die letzte feinste Politur verleihen sollte?

Tripel (Tripelerde, Terra tripolitana), Mineral, ist Kieselerdehydrat mit etwas Eisenoxydhydrat gemengt, ist graulich gelb, erdig, fühlt sich weich u. mager an, färbt etwas ab, läßt sich leicht zwischen den Fingern zerreiben; saugt Wasser ein u. erweicht dadurch; besteht nach Ehrenberg aus den Kieselpanzern von Infusorien. Findet sich zu Tripolis, in Böhmen; ist meist schieferig u. bildet dann den Tripelschiefer […]. Wird zum Poliren u. Putzen von Glas u. Metall benutzt.

BB 17–18, S. 5
Pierer
17.20
‹HECTOR SERVADAC›: ‹FACE AU DRAPEAU›: ‹Dem Tripel nur, Du Sohn des Ruhms, verdankt Dein Schtahl den schönen Glans›

Zitat aus dem ersten Kapitel des zweiten Teils von Jules Vernes Roman ›Hector Servadac‹ (1877), in der deutschen Übersetzung ›Reise durch die Sonnenwelt‹ (1878):

Ben-Zouf knetete und frottirte den trockenen Körper wie eine alte Weinrebe, so daß man fürchten mußte, er werde Feuer fangen, und trällerte dazu, als putze er seinen Säbel zu einer Parade, den bekannten Refrain:

»Dem Tripel nur, Du Sohn des Ruhms,
Verdankt Dein Stahl den schönen Glanz.«

BB 17–18, S. 5
Jules Verne
17.24
‹CHASSEURS D’AFRIQUE & MOSTAGENEM›

»Chasseurs d’Afrique« ist der Name einer berittenen Kampfeinheit der französischen Armée d’Afrique; »Mostagenem« heißt korrekt «Mostaganem« und ist eine Stadt in Nord-Allgerien.

BB 23
 
18.14
Hinc illae lacrymae

Lateinische Redewendung (»Daher also die Tränen«), erstmals in einer Komödie des Terenz benutzt, von Cicero und Horaz aufgegriffen.

BB 17–18, S. 5
 
18.17
hic niger est

Aus Horaz’ ›Satiren‹ (I, 4, 85):

Hic niger est, hunc tu, Romane, caveto

In Wielands Übersetzung:

den nenn ich schwarz,
vor dem, ihr Römer, seyd auf eurer Huth!

BB 17–18, S. 6
[Wielands Horaz S. 130]
18.28
Potz Sand & Kotzebue!

Der Burschenschafter Karl Ludwig Sand ermordete am 23. März 1819 den Schriftsteller August Kotzebue.

BB 23
 
19.6
Mestizen; […] Octavonen .....

Karl Richter bezieht sein Wissen aus dem Artikel ›Menschenracen‹ des Pierer.

Pierer
22.18
Aber jetz kam er, unverkennbar ER, DER HELD: Alabama=Dillert!

Vgl. dazu Arno Schmidts Besprechung von James Jones’ Roman ›Some came running‹ (›Von deutscher Art und Kunst‹):

die, mit Abstand, einprägsamste Figur ist […] ist Alabama=Dillert!

BB 4, [S. 12]
BA III, 4, S. 13
22.24
MARGOLF schrie der Häher.

»Margolf« ist eine ältere Bezeichnung für den Eichelhäher.

BB 17–18, S. 6
 
23.29
Mach’ Deine Rechnung mit dem Himmel, Mamsell

Anspielung auf Schillers ›Wilhelm Tell‹ (IV.3):

Mach deine Rechnung mit dem Himmel, Vogt,
Fort mußt du, deine Uhr ist abgelaufen.

BB 17–18, S. 6
Schiller
24.29
und galumphierte dann nebenher

to galumph = (einher)stolzieren. Das Wort wurde von Louis Carroll geprägt, der es in seinem Gedicht ›Jabberwocky‹ benutzt:

One, two! One, two! And through and through
The vorpal blade went snicker-snack!
He left it dead, and with its head
He went galumphing back.

s. auch 263.26

BB 4, [S. 10]; BB 20
 Carroll
25.12
Auch die rauhe Krähe oben rezensierte mich gleich: »Mänsch; mänsch=mänsch!«

Eventuell Anspielung auf August Klingmanns ›Nachtwachen von Bonaventura‹ (10. Nachtwache):

Der Pförtner an der äussern Mauer war ein alter tiefsinniger Menschenhasser […].

Er saß in seiner Hütte bei einer Lampe, in der Gesellschaft eines schwarzen Vogels dem er eine Kappe über den Kopf gezogen hatte, und mit ihm in Unterredung war.

[…]

»Mensch!« krächzte das Thier auf eine unangenehme Weise.

»Der Schwarze spricht weiter kein Wort – sagte der Pförtner – aber er beantwortet deshalb doch jede meiner Fragen auf das treffendste. – Geh schlafen, Schwarzer!«

Der Vogel rief noch dreimal Mensch aus, und sezte sich dann, wie wenn er tiefsinnig nachdächte in eine finstere Ecke – er schlummerte aber nur.

Hinweis von Marius Fränzel
 
26.19
»Na; Gautsch=Geselle?«. – Und Williams drohte nur mit der Faust; (die 4 ‹Papiermacher› hatten’s ooch nich leicht! […])

Gautschen, in der Papierfabrikation das Übertragen des frisch geschöpften Bogens auf den Filz (s. Papier); dann soviel wie gaukeln, hänseln. Buchdrucker g. hier und da den Neuling, indem sie ihn auf einen nassen Schwamm setzen, worauf ihm eine Urkunde, der Gautschbrief, gegen Zahlung eines Trunkes ausgestellt wird, ein aussterbender Überrest alter Handwerksgebräuche.

BB 17–18, S. 7
Meyer
27.33
Aber dann mußte ich doch wieder seufzend mein Nil humani denkn

Lateinische Redewendung aus Terenz’ ›Heautontimorumenos‹ (77) (›Selbstquäler‹):

Homo sum. Humani nil a me alienum puto.

(»Ich bin ein Mensch, nichts Menschliches ist mir fremd.«)

BB 17–18, S. 7
 
28.11
..... mit Fred Hoyce, dem Kultusminister.

Theodor Heuss, *31.1.1884, †12.12.1963, war 1945/1946 erster Kultusminister von Württemberg-Baden und von 1949 bis 1959, also während der Niederschrift des Romans, Präsident der BRD. Die Schreibweise des Namens lässt James Joyce anklingen.

BB 4, [S. 10]
 
28.22
Kriexminister O’Strich

Ostrich, engl. = (Der Vogel) Strauß. Franz Josef Strauß, *6.9.1915, †3.10.1988; war von 1956 bis 1962, also während der Niederschrift des Romans, Verteidigungsminister der BRD.

BB 4, [S. 11]
 
28.25
Präsident Mumford

Vermutlich Anspielung auf Lewis Mumford (1895–1990); amerikanischer Architekturkritiker und Soziologe; schrieb ›The Story of Utopias‹ (1922).

BB 17–18, S. 7
 
28.35
Und schauen; auf das nicht=beherrschte Samos hin .....

Anspielung auf Schillers Gedicht ›Der Ring des Polykrates‹:

Er stand auf seines Daches Zinnen,
Er schaute mit vergnügten Sinnen
Auf das beherrschte Samos hin.
»Dies alles ist mir untertänig«
Begann er zu Ägyptens König,
»Gestehe, daß ich glücklich bin.«

BB 4, [S. 11]
Schiller
30.12
»Soll ich mich etwa schon wieder turlupinieren lassen?!«

Turlupin (spr. Türlüpäng), 1) Bühnenname des zur Zeit Ludwigs XIII. lebenden Komikers Belleville in Paris. Davon 2) Possenreißer, fader Witzling, Schwätzer, u. Turlupinade, Witzelei, Possenreißerei; Turlupiniren, witzeln, Jemand zum Besten haben, foppen; […].

BB 17–18, S. 7
Pierer
31.10
die sogenannte ‹RUSSKAJA PRAWDA›

Erste russische Gesetzessammlung.

 
31.13
»‹Wer kann wider Gott & Nowgorod?›«

Russisches Sprichwort aus der Blütezeit Nowgorods.

 
31.15
‹SOBORNOJE ULOSCHENJE ZAKONN›

Russische Gesetzessammlung, 1649 von Zar Alexei I. herausgegeben.

 
33.9
Under the spreading chestnut=tree […]

Beginn von Henry Wadsworth Longfellows Gedicht ›The Village Blacksmith‹ (1841).

 
33.39
SAAT DER GEWALT

Roman von Evan Hunter, Originaltitel: ›The Blackboard Jungle‹

 
35.5
Du Gannef!

Jiddisch: Gauner, Dieb, Landstreicher.

BB 23
 
35.14
Hätte man vorhin vielleicht doch dem Justizminister helfen sollen, 1 Gesetz gegen Beleidigungen durchzupeitschen; ‹Verächtlich= & Lächerlich=Machung›, ‹Rufmord›: man ist immer zu gut.

Anfang Januar 1959 legte die Bundesregierung eine Neufassung des § 130 StGB (»Volksverhetzung«) vor, die vorsah, dass wer »zum Haß gegen andere aufstachelt, die er als nationale, rassische, religiöse oder durch Volkstum bestimmte Gruppe treffen will, sie beschimpft oder böswillig verächtlich macht« mit Gefängnis nicht unter drei Monaten bestraft werden sollte. – Am 26. Januar 1959 notierte Schmidt in seinem Tagebuch:

Nachrichten: Gesetz gegen ›Verächtlich= bzw. Lächerlichmachung von Religionen, Völkern, etc.‹??: Die Dummheit will sich als unangreifbar konstituieren!

 
38.40
Chorografica aller Art

Die Chorologie […] ist die Lehre vom Raum bzw. der räumlichen Verbreitung der Untersuchungsobjekte einer wissenschaftlichen Disziplin.

BB 23
[Wikipedia]
40.7
Schtarkbehaarte Sassen

Die Sassen waren ein Stamm des baltischen Volkes der Pruzzen und lebten in der gleichnamigen Landschaft. Nach der Eroberung des Landes durch den Deutschen Orden gingen die Sassen zusammen mit anderen pruzzischen Stämmen, deutschen Siedlern und zugewanderten Polen aus Masowien in den Masuren auf.

[Wikipedia]
40.7
Kerls mit ungeschnobenen Nasn: Flotzmäuler

Das Flotzmaul (lat. Planum nasolabiale) ist die Verschmelzung von Naseneingang und Oberlippe bei Rindern.

[Wikipedia]
40.24
Bakkalaureus Magister Heißedoktorgar

Bakkalaureus ist der niedrigste akademische Grad; die Stelle selbst eine Anspielung auf Goethes ›Faust I‹:

Heiße Magister, heiße Doktor gar

BB 23
[Faust I]
41.18
Rumpf & Erinnerunk werden Einem leicht zur Last

Am 13. Juli 1957 notierte Arno Schmidt in seinem Tagebuch:

Rumpf & Erinnerung werden einem zur Last!

 
42.33
Und an dem zweiten wär’ schon ma n ‹Tückebote› gesehen worden: früher

Norddeutsche Bezeichnung für ein Irrlicht.

BB 17–18, S. 8
 
43.6
Geboren am Tage der Schlacht von Bannockburn

Die Schlacht von Bannockburn war eine der entscheidenden Schlachten in den schottischen Unabhängigkeitskriegen und fand am 23./24. Juni 1314 statt.

BB 23
 
45.16
‹Und immer fragt der Seufzer: Wo ?› ‹Schmidt von Lübeck›

Anspielung auf ›Des Fremdlings Abendlied‹ von Georg Philipp Schmidt (genannt »Schmidt von Lübeck«), von Franz Schubert als ›Der Wanderer‹ vertont. Schmidt zitiert dieses Gedicht auch in ›Fouqué und einige seiner Zeitgenossen‹, vgl. BA III, 1, S.267.

Des Fremdlings Abendlied
Ich komme vom Gebirge her,
Es dampft das Tal, es braust das Meer.
Ich wandle still, bin wenig froh,
Und immer fragt der Seufzer, wo?

Die Sonne dünkt mich hier so kalt,
Die Blüte welk, das Leben alt,
Und was sie reden, leerer Schall;
Ich bin ein Fremdling überall.

Wo bist du, mein geliebtes Land?
Gesucht, geahnt, und nie gekannt!
Das Land, das Land so hoffnungsgrün,
Das Land, wo meine Rosen blühn.

Wo meine Freunde wandelnd gehn,
Wo meine Toten auferstehn,
Das Land, das meine Sprache spricht,
O Land, wo bist du? …

Ich wandle still, bin wenig froh,
Und immer fragt der Seufzer, wo?
Im Geisterhauch tönt’s mir zurück:
Dort, wo du nicht bist, dort ist das Glück.

BB 17–18, S. 8
 
47.16
‹Haine à la Royauté›

»Hass auf die Regierung«; während der französischen Revolution oft benutzte Formulierung.

 
47.38
Ne pouvant me corrompre, ils m’ont assassiné

»Sie konnten mich nicht korrumpieren, sie haben mich getötet.« Der Satz stand unter dem Gemälde ›Der Tod des Marat‹ von Jacques-Louis David.

BB 17–18, S. 9
 
47.40
und weiter ging der helleborose Farrago

»Helleborus« ist der lateinische Name für »Nieswurz«, »farrago« ist englisch für »Durcheinander / Mischmach«; vgl. auch S. 96:

»Was hasdu heut Nachmittag eigntlich mit dem ‹helleborosn Farrago› gemeent?«; Hertha; tiefsinnich.: »Einen ‹nieswurzwürdijen Mischmasch›.«

 
48.15
‹Schpalterflagge› ? : »[…] Hammersichelährenkranz […].«

Die Fahne der DDR wurde in den fünfziger Jahren in der BRD als »Spalterflagge« bezeichnet. Sie zeigt allerdings Hammer, Zirkel und Ährenkranz.

BB 17–18, S. 10
 
48.19
Ein Blatt wie Fauchet’s ‹EISENMUND› fehlt uns

Gemeint ist das von François-Claude Fauchet begründete demokratische Journal ›Bulletin de la Bouche de fer‹ (1790–1791).

BB 17–18, S. 9
 
48.22
Lambe mihi!

Latein: »Leck mich!«

BB 17–18, S. 9
 
48.46
ich hör’ jeden Abmd mein Leipzich=lob=ich=mir!

Anspielung auf Goethes ›Faust I‹, Auerbachs Keller, Vers 2171 f.:

Frosch.
Wahrhaftig du hast Recht! Mein Leipzig lob’ ich mir!
Es ist ein klein Paris, und bildet seine Leute.

BB 17–18, S. 9
Goethe
49.1
Schon mehrfach gedachte die Dummheit, sich als unangreifbar zu konstituieren

S. Kommentar zu S. 35.14.

 
49.2
‹bundeseigene Sender›

Konrad Adenauer versuchte Ende der 50er-Jahre ein vom Bund kontrolliertes zweites bundesweites Fernsehprogramm zu etablieren, das von einer »Deutschland-Fernsehen GmbH« getragen werden sollte. Die Gründung einer solchen GmbH wurde erst vom Bundesverfassungsgericht am 28. Februar 1961 als nicht mit dem Grundgesetz vereinbar verworfen.

BB 219
[Quelle]
51.38
vieux bagmate

Französisch/Englisch, etwa: Alte Schlampe. Partridge definiert »bagmate« in seinem ›Dictionary of Historical Slang‹ folgendermaßen:

A Woman, esp. a middle-aged or elderly slattern (that old bag); in certain contexts, a slatterny prostitute or parttime prostitute.

BB 17–18, S. 10
 Partridge
53.11
‹archly›; was durch ‹bogenförmich› wiederzugeben verfehlt wäre

Vergleiche dazu Schmidts Polemik gegen Goyerts ›Ulysses‹-Übersetzung ›Ulysses in Deutschland‹ (1957; BA III/3, S. 377):

Eine Verkäuferin, die den feinen Herrn becircen will, führt ihm zu diesem Zweck ihren Körper vor, »bending archly« – und Goyert transponiert »sie beugte sich bogenförmig«: dabei »bückt sie sich durchtrieben« (damit er ihr in den Blusenausschnitt gucken kann!).

s. auch S. 60

BB 17–18, S. 10
 
56.1
na, für so viel Wampum wird ja dann auch Einijes gebotn werdn müssn.

Wampum ist die Bezeichnung für Perlen aus Meeresschnecken und Muscheln, wie sie von den Indianern östlich der Rocky Mountains bis hinauf nach Saskatchewan allgemein als Tauschmittel benutzt wurden und so auch zu den Stämmen westlich der Rocky Mountains gelangten.

BB 17–18, S. 11
[Wikipedia]
56.19
mit völlich verglaubtn Gesichtern

Günther Flemming weist auf ein Zitat aus Leopod Schefers ›Göttliche Komödie in Rom‹ hin:

Die junge Welt verliebt sich – die alte Welt hat sich verglaubt

Bei Google Books findet sich noch folgendes Schefer-Zitat, leider ohne Verweis auf die Quelle:

»So hör’ ich Dich gern, mein Sohn,« sagte der Vater. »Es ist richtig, gerade aus der größten Verwirrung kommt Klarheit. Wie man sich verlieben kann, so kann man sich auch verglauben. Und die Welt hat sich bisher verglaubt; – nun wird sie sich dem Kaiser zu Liebe verlieben in Ritter und Sänger.«

BB 20
Google Books
56.31
Das Gesicht seidenweiß & schtarr, Aghaid sneachda, halb Schnee halb Mond.

»Aghaid sneachda« ist irisch und heißt »Gesicht des Schnees«.

BB 17–18, S. 11
 
57.19
»[…] Und den Korkn=hintn etwas fester schteckn!« fügte ich ärgerlich hinzu; denn meinem Herrn Nachbarn flog er eebm, mit gut hörbarem POPP, heraus.

Seite 310, unten, [von ›Finnegans Wake‹] finden Sie die Fortführung der Beschreibung: wie der Held, allein gelassen, mit einem gut=hörbaren ‹Popp› den Stopfen aus ‹Lough Neagh› zieht

›Der Triton mit dem Sonnenschirm‹, BA II, 3, S. 59.

BB 20
 
57.26
As no man can draw in his breath at once, and force air out beneath.

Zitat aus Samuel Butlers satirischem Epos ›Hudibras‹ (zwischen 1660 und 1680 geschrieben; Zeile 313-316)

Have you not power to entertain,
And render love for love again;
As no man can draw in his breath
At once, and force out air beneath?

Project Gutenberg
57.26
Die gelbe, langhändije Betze neben ihm grüßte seine Leistunk anerkennend mit Zähnn.

Betze, der weibliche Hund, Fuchs, Wolf etc.

BB 17–18, S. 11
Pierer
58.39
‹Als Lampe 1 Zinnbecher voll Seehunztran, in dem brennendes Moos schwimmt›: wo hatte ich das ma gelesn?

Anspielung auf George Kennans ›Zeltleben in Sibirien‹:

… werden die Zelte in kleine dichte Zellen, »Pologs« genannt, abgeteilt […]. Sie werden aus den schweren Pelzen hergestellt und durch brennendes Moos, das in einem mit Seehundsthran gefüllten Gefäß schwimmt, beleuchtet und erwärmt.

BB 20
[Kennan, S. 134]
60.33
(Sie drückte sich, ‹archly›, an ihn.)

s. Kommentar zu S. 53

 
62.37
Und der Alguazil, abgehend: […]

Spanisch, ein »Alguazil« ist ein Gerichts- und Polizeidiener.

BB 17–18, S. 11
 
64.24
‹auf 2 Beinen schtehe; obm sey 1 Kopf›

Zitat aus Goethes ›Zauberlehrling‹:

Und nun komm, du alter Besen!
Nimm die schlechten Lumpenhüllen;
Bist schon lange Knecht gewesen;
Nun erfülle meinen Willen!
Auf zwei Beinen stehe,
Oben sei ein Kopf,
Eile nun und gehe
Mit dem Wassertopf!

BB 17–18, S. 12
Goethe
64.30
Und schon nahm ich die Hand vom Kostümrock: dem Pudl, wenn er gut gezogn .....

Anspielung auf Goethes ›Faust I‹, Vers 1174 f.:

Wagner
Dem Hunde, wenn er gut gezogen,
Wird selbst ein weiser Mann gewogen.

Der Hund, auf den Wagner sich hier bezieht, ist Mephistopheles in der Gestalt eines Pudels.

BB 17–18, S. 11
Goethe
66.9
manchon

Frz.: Muff, Manchette.

 
67.14
oh shiver my timbers

Leitmotivische Formulierung von Long John Silver in Robert Louis Stevensons Roman ›Treasure Island‹.

BB 23
 
67.30
Wandering Willies Tail

Vgl. ›Aus dem Leben eines Fauns‹:

‹Wandering Willie’s Tale› aus »Redgauntlet«: das ist eine prachtvolle Geschichte, und viel zu gut, als daß man heute nicht auf sie hinweisen sollte; heute, wo Alles kolbenheyert und thoraxt (oder präziser: mittelmäßigt!).

BB 20
BA I/1, S. 363
68.22
.....: »Nee, wart noch ma: kuck ma, wie der alte Roger Altar ausholt ...« […] erklärte er schpäter, drinnen, den Damen .....

Die gesamte Szene paraphrasiert ein Croquet-Spiel aus Jules Vernes Roman ›Der grüne Strahl‹. Den Namen »Roger Altar« entnahm Schmidt dem Roman ›Strangers when we meet‹ von Evan Hunter.

BB 20
 
70.7
‹Das Paradies der Mauerblümchen›

Anspielung auf Émile Zolas Roman ›Das Paradies der Damen‹.

 
70.30
‹Teckstilijn, Teckstilijn: die flanzt’ich auf mein Grab: ja=auf=mein=Grapp.›

Anspielung auf ein Volkslied des 18. Jahrhunderts:

Drei Lilien, drei Lilien, die pflanzt' ich auf ein Grab,
da kam ein stolzer Reiter und brach sie ab.
Juvivallerallerallerallera, juvivallerallerallerallera,
da kam ein stolzer Reiter und brach sie ab.

BB 17–18, S. 12
 
70.40
Und er (kalt; gefühllos; man merkte eben die Satem=Eltern)

In der älteren Sprachwissenschaft wurde die indoeuropäische Sprachfamilie in einen westlichen (Kentum) und einen östlichen Zweig (Satem) aufgeteilt.

BB 17–18, S. 12
 
71.1
Wenn ich den Wunsch nach einem Imbiß verschpüre, möchte ich nur sagn: »Wascha=wsoki=blagorodjai wiliki präwosch: kodietexwoj tackdalscha.« […] Mein bißchen Einbildunxkraft ‹hakte aus› vor dem Gedanken!

Den Witz hat Schmidt aus Kennans ›Zeltleben in Sibierien‹ (S. 38):

Ich bat daher den Major mich den entsprechenden russischen Ausdruck zu lehren und er antwortete mir, wenn ich zu essen wünsche, so möge ich nur sagen: [»]Waschawsokiblagorodiai wiliki prewoschkoditekswoi takdalschai.« Ich glaube, niemals fühlte ich noch eine derartige hochachtungsvolle Bewunderung vor der Wissenschaft, wie vor jener des Majors, als er diesen außergewöhnlich schwierigen Satz fließend und graziös aussprach. Wie viel Jahre geduldigen Fleißes mußte er verbraucht haben, ehe er in die Lage kam, seine erste Bitte um Nahrung aussprechen zu können! […] Meine Einbildungskraft entsetzte sich bei diesem Gedanken.

Ich sagte dem Major, er möge diesen fürchterlichen Satz auf ein großes Stück Papier schreiben, das er mir um den Halshänge [!], denn erlernen könnte ich ihn nie, ich wollte es auch nicht versuchen. Später kam ich dahinter, daß er meine Unerfahrenheit benutzte, um mir die schwierigsten und längsten Wörter seiner barbarischen Sprache für meinen Zweck anzugeben.

BB 20
[Kennan]
71.26
1 Hakawati=Märchenerzähler mühte sich.

Karl May will in seiner Kindheit ein Märchenbuch namens ›Der Hakawati‹ besessen haben, aus dem ihm seine Großmutter vorgelesen habe. Das Buch konnte nicht nachgewiesen werden. In Mays Drama ›Babel und Bibel‹ gibt es die Figur »Der Hākawāti (Märchenerzähler)«. – Siehe auch S. 101.

 
72.8
‹Frank C. Hirsh›=Block

Anspielung auf James Jones’ Roman ›Some Came Running‹ (dt. ›Die Entwurzelten‹), in dem der Protagonist Frank Hirsh davon träumt, dass später einmal ein Stadtviertel nach ihm benannt wird.

BB 17-18, S. 12
 
72.17
»If you feel ‹bored› –« […] »lesen Sie Psalm 104.«

(1) Lobe den Herrn, meine Seele! Herr, mein Gott, du bist sehr herrlich; du bist schön und prächtig geschmückt. (2) Licht ist dein Kleid, das du anhast. Du breitest aus den Himmel wie einen Teppich; (3) du wölbest es oben mit Wasser; du fährest auf den Wolken wie auf einem Wagen und gehest auf den Fittichen des Windes (4) der du machest deine Engel zu Winden und deine Diener zu Feuerflammen; (5) der du das Erdreich gründest auf seinen Boden, daß es bleibt immer und ewiglich. (6) Mit der Tiefe deckest du es wie mit einem Kleid, und Wasser stehen über den Bergen. (7) Aber von deinem Schelten fliehen sie, von deinem Donner fahren sie dahin. (8) Die Berge gehen hoch hervor, und die Breiten setzen sich herunter zum Ort, den du ihnen gegründet hast. (9) Du hast eine Grenze gesetzt, darüber kommen sie nicht, und müssen nicht wiederum das Erdreich bedecken. (10) Du lässest Brunnen quellen in den Gründen, daß die Wasser zwischen den Bergen hinfließen, (11) daß alle Tiere auf dem Felde trinken und das Wild seinen Durst lösche. (12) An denselben sitzen die Vögel des Himmels und singen unter den Zweigen. (13) Du feuchtest die Berge von oben her; du machest das Land voll Früchte, die du schaffest. (14) Du lässest Gras wachsen für das Vieh und Saat zu Nutz den Menschen, daß du Brot aus der Erde bringest, (15) und daß der Wein erfreue des Menschen Herz und seine Gestalt schön werde von Öl, und das Brot des Menschen Herz stärke; (16) daß die Bäume des Herrn voll Safts stehen, die Zedern Libanons, die er gepflanzet hat. (17) Daselbst nisten die Vögel, und die Reiher wohnen auf den Tannen. (18) Die hohen Berge sind der Gemsen Zuflucht und die Steinklüfte der Kaninchen. (19) Du machest den Mond, das Jahr danach zu teilen; die Sonne weiß ihren Niedergang. (20) Du machest Finsternis, daß Nacht wird; da regen sich alle wilden Tiere, (21) die jungen Löwen, die da brüllen nach dem Raub und ihre Speise suchen von Gott. (22) Wenn aber die Sonne aufgehet, heben sie sich davon und legen sich in ihre Löcher. (23) So gehet denn der Mensch aus an seine Arbeit und an sein Ackerwerk bis an den Abend. (24) Herr, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weislich geordnet und die Erde ist voll deiner Güter. (25) Das Meer, das so groß und weit ist, da wimmelt's ohne Zahl, beide große und kleine Tiere. (26) Daselbst gehen die Schiffe; da sind Walfische, die du gemacht hast, daß sie drinnen scherzen. (27) Es wartet alles auf dich, daß du ihnen Speise gebest zu seiner Zeit. (28) Wenn du ihnen gibst, so sammeln sie; wenn du deine Hand auftust, so werden sie mit Gut gesättiget. (29) Verbirgest du dein Angesicht, so erschrecken sie; du nimmst weg ihren Odem, so vergehen sie und werden wieder zu Staub. (30) Du lässest aus deinen Odem, so werden sie geschaffen, und verneuerst die Gestalt der Erde. (31) Die Ehre des Herrn ist ewig; der Herr hat Wohlgefallen an seinen Werken. (32) Er schauet die Erde an, so bebet sie; er rühret die Berge an, so rauchen sie. (33) Ich will dem Herrn singen mein Leben lang und meinen Gott loben, solange ich bin. (34) Meine Rede müsse ihm wohlgefallen. Ich freue mich des Herrn. (35) Der Sünder müsse ein Ende werden auf Erden, und die Gottlosen nicht mehr sein! Lobe den Herrn, meine Seele! Halleluja!

Luther-Bibel
73.24
völ=lich normal: ‹5 Finger hab’ich an jeder Hand›

Anspielung auf ein bekanntes Rätsel, bei dem die Satzzeichen irreführend gesetzt sind, und das in verschiedenen Variationen kursiert:

Es schrieb ein Mann an eine Wand:
Zehn Finger hab’ ich an jeder Hand,
fünfundzwanzig an Händen und Füßen.
Ihr werdet überlegen müssen.

BB 17–18, S. 13
 
73.29
‹MARION KERBY›

Den Namen entlehnte Schmidt Thorne Smith’ ›Topper: A Ribald Adventure‹ (1926).

BB 219
 
73.40
Im Block ‹Francis Parkman›

Anspielung auf James Jones’ Roman ›Some Came Running‹ (dt. ›Die Entwurzelten‹), dessen Hauptschauplatz das nach dem amerikanischen Historiker Francis Parkman (1823–1893) benannte Städtchen Parkman ist.

BB 17–18, S. 13
 
74.4
»Der neue ‹Weiße Fleck›, im ehemalijen Kansas, – der, der Gepflogenheit entsprechend, den Namen ‹HERTER› erhalten hat .....«.

Anspielung auf den amerikanischen Politiker Christian Archibald Herter, von 1959 bis 1961 Außenminister der USA.

BB 4, [S. 11]
 
75.17
PROSECUTORS prosecute the prosecuted=ones : should the prosecuted=ones prosecute their prosecuteors

Übersetzung des Anfangs von Helmut Heißenbüttels ›Politische Grammatik‹ (1959):

Verfolger verfolgen die Verfolgten. Verfolgte aber werden Verfolger.

BB 4, [S. 12]
[Heißenbüttel]
75.19
in Gertrude’s schteinichster Weis’

Anspielung auf Gertrude Steins berühmtes »A rose is a rose is a rose« aus dem Gedicht ›Sacred Emily‹.

BB 23
 
76.16
Freut Euch des Lärmes, weil noch das Lämpchen glüht .....

Verballhornung des Refrains von ›Freut euch des Lebens‹ von Johann Martin Usteri (1763–1827):

Freut euch des Lebens,
weil noch das Lämpchen glüht,
pflücket die Rose, eh’ sie verblüht.

BB 17–18, S. 13
 
77.21
»Waite Mare. –: Im Dämmer=Grooo.
Die Sonnö verglomm. Die Schtärrnö ziehn …«
[…]
»Nun jumpe ich hin, zu der schö=hö=hönstönn Frooo …«
[…]
»weit über Mare im Dämmer=Grooo ...«
(und auf den neuen Reim auf ‹ien› war ich doch neugierich; ‹Jasmin› dürfte man ja, der sentimentalen Folgen wegen, schwerlich verwendet habm .....: Ah: ‹Benzien›: sehr gut!)

Verballhornung des mehrfach vertonten Gedichts ›Traum durch die Dämmerung‹ von Otto Julius Bierbaum:

Weite Wiesen im Dämmergrau;
die Sonne verglomm, die Sterne ziehn,
nun geh' ich zu der schönsten Frau,
weit über Wiesen im Dämmergrau,
tief in den Busch von Jasmin.

BB 4, [S. 12]
[Quelle]
78.4
schlimmer wie bei Crébillons ! Widerlich .....

Anspielung auf Claude Prosper Jolyot de Crébillons galanten Roman ›Le sopha‹ (1742).

BB 4, [S. 12]
[Crébillon]
78.14
er hieß seitdem nur ‹Der Löscher›

Wilhelm Michels an Arno Schmidt (10. März 1957):

Am 28. Februar hat und der Nachfolger des Löschers mitsamt Frau und Kind verlassen […].

[Anmerkung des Hrsg.] »Löscher« war der Spitzname eines Erziehers in der Waldschule, der versehentlich […] Bandaufnahmen gelöscht hatte.

BB 219
BwM, S. 66 (Brief N. 66)
79.32
a WAC, so fair to see

WAC ist die Abkürzung für »Women’s Army Corp« der US-Armee.

BB 17–18, S. 13
 
80.8
ein gewisser H.G. Trunnion

Anspielung auf Hagen von Tronje des ›Nibelungenlied‹; eventuell auch auf eine gleichnamige Figur in Tobias Smollets Roman ›The Adventures of Peregrine Pickle‹ (1751).

BB 4, [S. 12]
 
80.19
Manches war freilich schwerer zu verschtehen: mit jedem Deutschen wollte er ‹die Kehre› gemacht haben?

Siehe auch S. 150, S. 178 und S. 208.

die »kehre« ist ursprünglich das wenden mit dem rosse, pfluge u. ä., besonders im turnier, im kampf zu ross, das wenden und rückgehn mit dem rosse zum neuen anlauf wider den gegner; das hiesz mhd. einen oder den kêr nemen, tuon (auch den widerswanc) […]

BB 17–18, S. 13
Deutsches Wörterbuch
81.40
General Grünther=selbst, der Oberkommandierende, (der Dichter verglich ihn aber auch oft mit einem ‹Könich›)

Neben König Gunther aus dem ›Nibelungenlied‹ ist hier wohl auch der amerikanische General Alfred Maximilian Gruenther (1899–1983) gemeint: 1941 bis 1953 Stabschef beim Supreme Headquarters Allied Powers Europe (SHAPE), 1953 bis 1956 Oberkommandierender der NATO-Streitkräfte in Europa.

BB 17–18, S. 14
 
82.6
ein paar neue WAC’s

s. Kommentar zu S. 79

 
82.19
sint ut sunt aut non sint

Lat., »Sie seien wie sie sind oder sie seien nicht«; eine dem Jesuitengeneral Lorenzo Ricci zugeschriebene Antwort, als ihm vorgeschlagen wurde, den Jesuitenorden zu reformieren bzw. aufzulösen.

BB 23
 
83.3
Now it’s ‹Dillert=this› and ‹Dillert=that› and […] the Bolshies start to roll

Anspielung auf Rudyard Kiplings Gedicht ›Tommy‹:

Then it’s Tommy this, an’ Tommy that, an’ „Tommy, ’ow’s yer soul?“
But it’s „Thin red line of ’eroes“ when the drums begin to roll,
The drums begin to roll, my boys, the drums begin to roll,
O it’s „Thin red line of ’eroes“ when the drums begin to roll.

BB 219
[Kipling]
84.0
Im ‹AMERIKA=HAUS› in Darmschtadt sahen sie sich zum letzten Mal. / (Vor dem er, Dillert, noch ‹LONG LOUIS› traf, der dort immer schtand – vermutlich n G.I.=Kummpl von früher) –

»Langer Ludwig« oder »Langer Lui« nennen die Darmstädter das Ludwigsmonument auf dem Luisenplatz. Von 1950 bis 1953 widmeten die Amerikaner die Gaststätte »Goldene Krone« zum Amerika-Haus um. Das Gebäude steht in der Schustergasse 18, von wo aus das Denkmal nicht zu sehen ist.

BB 17–18, S. 14
 
85.4
(Und das war ja auch wieder gans prächtich geschildert: wie er die, in ‹Charles=Hurst› immer schlankweck ‹HUNNEN› nannte.

»Charles=Hurst« ist eine Verballhornung des Berliner Vorots Karlshorst, wo die bedingungslose Kapitulation Deutschlands unterzechnet wurde, bis 1949 Hauptquartier der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD).

BB 17–18, S. 14
 
89.13
Mettwürste, so lang wie Jakopstack

Der »Jakobstag« ist der 25. Juli, und damit einer der längsten Tage im Jahr.

BB 23
 
91.22
Und auch das unvermeidliche ‹Mensch ärger’ Dich nich’.›: wenn ich bloß ma rauskrickte, Wer das eigentlich erfundn hat!

Der Erfinder heißt: Josef Erich Schmidt.

BB 20
 
91.37
»Wer über seinen Kampf um Lebensglück / sich nur 1 Haar versehrt, […] und bei Sonnenschein / mit Schiff & Schatz betroffen untersinkt.«

Eintrag zum 28. Oktober in Leopold Schefers ›Laienbrevier‹ (Berlin 1835, S. 226):

Wer über seinen Kampf um Lebens=Glück
Sich nur ein Haar versehrt, nur Einzelnes
Im Auge, Nächstes im Gefühl, wohl gar
Gesundheit sich vescheucht – die Schöpferin
Der Freude aus dem langen Lebensstrome,
Der gleicht dem Kinde, das den Korb voll Perlen
Durch einen Wald von Räuber, Sturm und Blitze
Auf hohlem Boden sicher hingetragen –
Und nun, bei Blumenpflücken, sich verliert;
Der gleicht dem Manne, der ein Schiff Kleinode
Soll über Meer zum fernen Hafen steuern,
Und – alle Tage in des Schiffes Boden
Zum Spiel ein Loch bohrt, und bei Sonnenschein
Mit Schiff und Schatz betroffen untersinkt.

BB 17–18, S. 15
Schefer, Laienbrevier
93.34
‹DAS VATERHAUS›! – Mensch, allein das Umschlack=Bild. (Und darin eine ‹FAMILIE ADLERHORST›? Was war d’nn das? Das kannt’ich ja gar nich!).

Karl May erzählt in seinem (anonymen) Kolportageroman ›Deutsche Herzen, deutsche Helden‹ (1885–1888) die Schicksale der Familie von Adlerhorst. Der Karl-May-Verlag publizierte 1927/1928 eine Vorabdruck seiner Bearbeitung unter dem Titel ›Die Familie Adlerhorst‹ in der Zeitschrift ›Das Vaterhaus‹.

 
93.38
»Potz Carocha & Sanbenito, Tanndte: das sind doch Alles Katholen!«

Eine »Carocha« ist eine zylinderförmige Ketzermütze aus Papier oder Pappe, auch »Sanbenito« genannt.

BB 23
 
94.3
‹Copie Nr. 2 / für Herrn / Heinrich Andreas Näwy / […]

Arno Schmidt war über Hans Wollschläger im Juli 1959 in den Besitz einer Abschrift von Karl Mays ›Frau Pollmer, eine psychologische Studie‹ gekommen, dessen Manuskript zu dem Zeitpunkt vom Karl-May-Verlag noch unter Verschluss gehalten wurde. Die »Copie Nr. 2« ist eine Fiktion, um Schmidts Besitz der ›Studie‹ plausibel zu machen.

 
94.7
‹POLLMER & NÄWY›

Emma Lina Pollmer (22. November 1856 – 13. Dezember 1917), Karl Mays erste Ehefrau, von der er sich 1903 scheiden ließ. Trat in den Prozessjahren Mays auch als Zeugin gegen ihn auf.

Heinrich Andreas Nävy, Expedient und Gerichtsschreiber am Landgericht Dresden, dessen Name in den Akten zu Mays Meineids-Prozess auftaucht. Schmidt kannte den Namen aus Rudolf Lebius, ›Die Zeugen Karl May und Klara May‹, Berlin-Charlottenburg: Spreeverlag 1910.

 
94.33
‹Die Angejahrten wissen Euch zu schätzen›

Zitat aus Goethes ›Faust II‹:

Page
Ich bin verliebt, man hält mich nicht für voll.

Mephistopheles
Ich weiß nicht mehr, wohin ich hören soll.
Müßt Euer Glück nicht auf die Jüngste setzen.
Die Angejahrten wissen Euch zu schätzen. –

BB 23
[Faust II]
94.35
Azagouc & Zazamanc

Namen zweier Stoffe bzw. deren Herkunftsorte im ›Nibelungenlied‹. In Simrocks Übersetzung:

In arabische Seide, / so weiß als der Schnee,
Und gute Zazamanker, / so grün als der Klee,
Legten sie Gesteine: / das gab ein gut Gewand;
Kriemhild die schöne / schnitts mit eigener Hand.

[…]

Hört noch von ihren Kleidern / deren hatte sie genug.
Von Azagauger Seide / einen Wappenrock sie trug,
Der kostbar war und edel / daran warf hellen Schein
Von der Königstochter/ gar mancher herrliche Stein.

BB 17–18, S. 15
Simrocks Nibelungenlied
95.16
Die Ideen bildeten sich, während sie dozierte

Anspielung auf Heinrich von Kleists ›Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden‹.

BB 20
Kleist
96.21
‹helleborosn Farrago›

s. Kommentar zu S. 47

 
96.24
Also ‹eine echte Bereicherunk im Sinne der tria corda des Ennius›

Siehe auch ›Wieland, oder die Prosaformen‹: »eine Bereicherung im wahrsten Sinne der tria corda des Ennius« (II, 2, S. 304).

»Tria corda« – drei Herzen – behauptete der lateinische Dichter Quintus Ennius (3./2. Jh. v. Chr.) in seiner Brust zu haben, weil er neben seiner Muttersprache, dem Oscischen, auch noch Griechisch und Latein beherrschte. So überliefert es Aulus Gellius in seinen ›Attischen Nächten‹ (XVII 17).

[Otto Kaiser: Des Menschen Glück und Gottes Gerechtigkeit. Mohr Siebeck, 2007, S. V.]

BB 17–18, S. 15
 
97.8
Der normale Lebenslauf: Von der Pitié nach Bicêtre: Vom Arm’haus; übers Kittchn; in de Irrn=Anschtalt.

Pitié ist ein Armenkrankenhaus, Bicêtre eine Irrenanstalt und Gefängnis in Paris.

BB 17–18, S. 16
 
97.20
Lalande hat seine Katze an den Schternenhimmel versetzt – der französische Astronom. […] – Am Südhimmel: unterm Hals der Wasserschlange!

Die Katze (lat. felis) ist ein Sternbild des Südhimmels, das nicht zu den 88 von der IAU anerkannten Sternbildern zählt.

Die Katze ist Teil des offiziellen Sternbildes Wasserschlange. Sie liegt südwestlich des Stern μ Hydrae (42 Hya) und besteht nur aus lichtschwachen Sternen bis maximal 5m Größenklasse. Südlich von der Katze liegt das Sternbild Luftpumpe und westlich von ihr das Sternbild Kompass.

Eingeführt wurde das Sternbild »Felis« von Jérôme Lalande in seiner Himmelskarte von 1799 und es ist unter anderem im berühmten Sternkatalog von Johann Elert Bode zu finden.

[Wikipedia]
99.7
Potz Gruber & Lafontaine

Johann Gottfried Gruber (1774–1851); dt. Schriftsteller, Lexikograph und Literaturhistoriker, u. a. Biograph von August Heinrich Julius Lafontaine.

August Heinrich Julius Lafontaine (1758–1831); dt. Schriftsteller, schrieb zahlreiche Romane; vgl. auch Schmidts Dialog ›Eine Schuld wird beglichen‹ (geschrieben November bis Dezember 1965, gesendet im März 1966), BA II/3, S. 201–229.

BB 17–18, S. 16
 
99.9
gleich sex & firz ich

Vgl. Schmidts Übersetzungen aus ›Finnegans Wake‹ in ›Der Triton mit dem Sonnenschirm‹: »Größe sieben=und=firz=ich« (BA II/3, S. 33) und »mit Kopfnüssen von Voll=und=Firz=Ichen« (BA II/3, S. 46).

BB 20
 
99.21
Mit der Lust der Vollterknechtinn: Leopold Schtein, ‹DIE HEXEN SIND UNTER UNS›!

Gemeint ist die Studie ›Loathsome Women. The Witches among us‹ (1959) von Leopold Stein und Martha Alexander.

BB 17–18, S. 17
 
100.40
‹Die Mode wexlt, der Druckknopf bleipt›

Werbespruch der Firma Prym (für vergrößerte Darstellung Bild anklicken):

Prym Druckknöpfe

Foto von Janos Frecot
 
101.2
‹Hinab ins Reich der Untermenschen›

Anspielung auf Karl Mays Vortrag ›Empor ins Reich der Edelmenschen!‹, den May kurz vor seinem Tod am 22. März 1912 in Wien hielt.

 
101.10
Potz Eustachius von Kent & Gottfried von Monmouth

Auch in ›Vom Iskander zum Alexander‹ (geschrieben vom 6. bis 11. Oktober 1959, also während der Arbeit an ›Kaff‹) nennt Schmidt Eustachius von Kent als eine Quelle seines ›Alexander‹, allerdings ist in der Alexander-Tradition lediglich ein Thomas von Kent aus dem 12. Jahrhundert zu finden, der den Alexander-Roman ›Roman de toute chevalerie‹ schrieb. – Gottfried von Monmouth (Geoffrey of Monmouth) war ein britischer Geistlicher, Gelehrter und Schriftsteller im 12. Jahrhundert.

BB 23
 
101.15
»‹Du siehst aus, wie unser Louis!› –«: während der ernsthaft=alternde Hakawati hinter seinen beiden Frauen herzockelte

»Louis« ist ein Slang-Ausdruck für »Zuhälter«; gemeint ist hier Karl Mays Schilderung eines gemeinsamen Spaziergangs mit seiner damaligen Frau Emma und seiner zukünftigen Frau Klara:

Verwendete Hunderte auf höchst auffallende Promenadenmäntel, die nur von Straßendirnen getragen werden, um die Blicke der Lüsternen auf sich zu ziehen. Das Schlimmste war, daß sie die gute, bescheidene und sehr schamhafte Frau Plöhn zwang, einen dito Mantel zu tragen, und mir, als ich in meinem einfachen Anzuge hinter ihnen herging, vor allen Passanten zurief: »Du siehst aus wie unser Louis!« Mit diesem einen Worte, dem auf der ganzen Erde kein Anderes gleicht, war für mich die Scheidung ausgesprochen […].

May, Pollmer, S. 918
101.23
‹Zieh nich an den rein, Mainsohn. Ich rate Dir gut.›

Anspielung auf Karl Simrocks Gedicht ›Warnung vor dem Rhein‹:

An den Rhein, an den Rhein, zieh nicht an den Rhein,
Mein Sohn, ich rate dir gut:
Da geht dir das Leben zu lieblich ein,
Da blüht dir zu freudig der Mut.

BB 20
[Simrock]
103.1
neulich s=tand da in den ein’ Buch doch in, wie 2 Ehepartner einanner, auch von Gesichd, immer ähnlicher wurdn

Anspielung auf Justinus Kerners Roman ›Die Reiseschatten‹:

Auch fiel mir die Beobachtung ein, daß Eheleute, die lange mit einander leben, endlich einander auch ganz im Gesichte ähnlich werden, item alte treue Bediente ihren Herrn.

BB 20
[Kerner]
103.32
Er hat mier da ma was vor=geleesn; von ner gewissn ‹ANNA LIEWJAH› – och so vor 15 Jaan

›Anna Livia Purabelle‹ ist ein Kapitel aus ›Finnegans Wake‹ (1939) von James Joyce. ›Kaff‹ spielt am 28./29. Oktober 1959 (vgl. BA I, 3, S. 91 u. 543), »so vor 15 Jaan« wäre also um 1944 – ein Jahr, in dem Karl Richter wohl kaum an ›Finnegans Wake‹ gelangt sein konnte.

BB 17–18, S. 17
 
104.2
‹Âne mâßn schoene bumms: so waß irr eddel Lieb›

Zitat aus dem ›Nibelungenlied‹ (1. Aventiure, 3. Strophe). Das »bumms« erklärt sich nach einem Blick in das ›Steinerne Herz‹ (BA I/2, S. 100):

Neue Theorie der Nibelungenstrofe: ich wies nach, daß nach jeder der drei ersten Halbzeilen der Sänger begleitend die Saiten gerissen haben mußte:

»Uns ist in alten maeren: Bums!
wunders vil geseit;
von helleden lobbebaeren: Bums!
von großer arebeit.
Von Freuden, hochgezieten: Bums!
von weinen unde klaggen; –
von (kuoner) recken strieten=mugget=irr:
nu wunder hoeren saggen.«

BB 17–18, S. 17
 
104.4
Potz Crab=Nebel & Super=Nowwah

Der Krebsnebel ist der Überrest einer Supernova im Sternbild Stirn.

BB 23
 
108.26
Welteishändler

Die »Welteislehre« ist ein kosmologischer Entwurf von Hanns Hörbiger, der postuliert, dass die meisten Himmelskörber aus Eis oder Metall bestehen. Die Erde bildet dabei die einzige Ausnahme in unserem Sonnensystem. Die Welteislehre war besonders im Nationalsozialismus populär.

Wikipedia
109.28
Silberschlack war nicht umsonst Oberbaurat des ‹Soldatn=Könichs›

Den Beinamen »Soldatenkönig« trug Friedrich Wilhelm I., der von 1713 bis 1740 König von Preußen war. Johann Esaias Silberschlag (1721–1791) wurde erst dreißig Jahre später, 1770, zum Geheimen Baurat und 1787 zum Oberbaurat ernannt. Er war also nicht Oberbaurat unter dem »Soldatn=Könich«, sondern unter Friedrich II.

BB 17–18, S. 17
 
112.27
Potz Hutton & Maskelyne

Charles Hutton (1737–1823), engl. Mathematiker.

Nevil Maskelyne (1732–1811, engl. Astronom, bestimmte zusammen mit Hutton 1744 die Erddichte.

BB 17–18, S. 18
 
113.7
‹Langlang issd’eer : lang issd’eer›

Anspielung auf den Refrain von Thomas Haynes Bayleys ›Long, Long Ago‹ (um 1833); deutsche Übersetzung von Wilhelm Weidling:

Sag mir das Wort,
Dem so gern ich gelauscht,
Lang, lang ist’s her.
Lang, lang ist’s her.

BB 4, [S. 12]
[Quellennachweis]
113.15
was hat Der nich, ap 1788, nach dem berüchtichtn ‹Wöllnerschen Religionsedickt›, die Leute gezwieblt

Johann Christoph von Wöllner (* 19. Mai 1732 in Döbritz; † 10. September 1800 in Großriez bei Beeskow) war ein preußischer Pastor und Staatsmann. […] Mit der Zeit gewann Wöllner einigen Einfluss auf den Kronprinzen. Am 26. August 1786 wurde er vom neuen Herrscher zum Geheimen Finanz-, Kriegs- und Domänenrat sowie zum Oberhofbau-Intendanten ernannt. […] Der Einfluss Wöllners auf den König machte dann auch das Wöllnersche Religionsedikt vom 9. Juli 1788 möglich. Durch dieses Edikt sollte hauptsächlich die lutherische Landeskirche unterdrückt und der Aufklärung Einhalt geboten werden. Erst nach über fünf Jahren, am 27. Dezember 1793, wurde es wieder aufgehoben; nun stellte Kritik an den drei Hauptkonfessionen eine Straftat dar und wurde letztendlich mit Amtsentsetzung bedroht. Von diesen Zensurmaßnahmen der Königlichen Examinations-Commission war auch Immanuel Kant betroffen.

BB 17-18, S. 18
[Wikipedia]
114.10
(Und eben ich; im Gesicht den summenden BRAUN. – Man sah mir gedankenvoll zu.)

Am 2. April 1959 notiert Schmidt in seinem Tagebuch:

Zurück über Celle (incl. Essen im Freien); dort rasch Einkaufen, da schenkt er [= Wilhelm Michels] mir einen elektrischen Braun=Rasierapparat!

 
114.36
Aso mein Jung’: auf’n linkn Ohr hör’ich schon schlecht; unn auf’as rechte leg’ich mich – wenn Ihr da nich grad durche Degge kommd: mich s=tört Ihr nich. […].«

Nachts L Muttel schlief enorm fest. Hört auf einem Ohr nicht und schläft dann auf dem anderen.

Alice Schmidt, ›Tagebuch 1954‹, S. 142
115.32
Und mir wurde gans a la 120,4; wie Feuer in Wacholdern!

(1) Ein Lied im höhern Chor. Ich rufe zu dem Herrn in meiner Not, und er erhöret mich. (2) Herr, errette meine Seele von den Lügenmäulern und von den falschen Zungen! (3) Was kann dir die falsche Zunge tun? und was kann sie ausrichten? (4) Sie ist wie scharfe Pfeile eines Starken, wie Feuer in Wacholdern. (5) Wehe mir, daß ich ein Fremdling bin unter Mesech! Ich muß wohnen unter den Hütten Kedars. (6) Es wird meiner Seele lange, zu wohnen bei denen, die den Frieden hassen. (7) Ich halte Frieden; aber wenn ich rede, so fahen sie Krieg an.

BB 17–18, S. 18
Luther
116.19
‹und wenn es köstlich geweesn ist›

Zitat aus Psalm 90,10:

Unser Leben währet siebenzig Jahre, und wenn’s hoch kommt, so sind’s achtzig Jahre; und wenn’s köstlich gewesen ist, so ist’s Mühe und Arbeit gewesen; denn es fähret schnell dahin, als flögen wir davon.

BB 17–18, S. 18
Luther-Bibel
116.20
Sie besah sich währenddessen zusätzlich, (vielleicht symbolisch, aber total verklemmt), ihren ‹FLOW=MASTER›, (den, auch 20=Zentimeter=langen, Benzien=Zeichenschtift)

Verschreibung des Markennamens »Flo-Master« für Tinten- und nachfüllbare Stifte.

 
116.26
das müßte man sich überhaupt angewöhn’: nachz ‹Gedankn› notiern: morgens weck wischn

Eventuell Anspielung auf das Gedicht ›The Complaint or, Night Thoughts on Life, Death and Imortality‹ von Edward Young (1638–1765); vgl. auch S. 129:

Sie liepte, es ist Frauenweise, solche Youngsnachtgedankn

BB 17–18, S. 18
 
116.33
am gantzn Leibe vor Erregunk fliegn

Vgl. Otto Nebels Gedicht ›Zuginsfeld‹, das Schmidt auch in ›Zettel’s Traum‹ zitiert (BA IV/I, S. 851 und 1493):

Exzellenz fliegen am ganzen Leibe!

BB 219
 
117.26
Aber das=hier ging ja noch über Frau Shandy

Anspielung auf den Zeugungsakt in Sternes ›Tristram Shandy‹ (I/1):

I WISH either my father or my mother, or indeed both of them, as they were in duty both equally bound to it, had minded what they were about when they begot me; […] Pray, my dear, quoth my mother, have you not forgot to wind up the clock ? –––– Good G –– ! cried my father, making an exclamation, but taking care to moderate his voice at the same time, –––– Did ever woman, since the creation of the world, interrupt a man with such a silly question? Pray, what was your father saying ? –––– Nothing.

BB 4, [S. 13]
[Tristram Shandy]
117.35
: (und hinein in die Herberge des Abû Mansûr:

Die »Herberge des Abû Mansûr« ist in ›Die Geschichte des Lastträgers und der drei Damen von Bagdad‹ aus ›1001 Nacht‹ eine Bezeichnung für die Vagina.

BB 23
[1001 Nacht]
118.2
und des Schweißes der Edlen war kein Ende,

Zitat aus Klopstocks Ode ›Der Zürchersee‹:

Reizvoll klinget des Ruhms lockender Silberton
In das schlagende Herz, und die Unsterblichkeit
Ist ein grosser Gedanke,
Ist des Schweisses der Edlen werth!

BB 17–18, S. 19
 
118.6
Hokusai […] Wooge

›Die Woge‹ oder ›Die große Welle‹ ist ein Farbholzschnitt des japanischen Künstlers Katsushika Hokusai (1760–1849).

BB 23
 
118.6
zum aspersten ßpiritus

Der »spiritus asper« ist ein altgriechisches diakritisches Zeichen, das anzeigt, dass ein Vokal »mit Atem«, also vorangehendem »h« gesprochen werden soll.

BB 23
 
118.31
Hermann Löns […]wohlgemerkt: ich mag Jenen, ‹gegen Engelland Fahrenden› gar nicht.

Anspielung auf den Refrain von Löns’ ›Matrosenlied‹:

Gib' mir deine Hand, deine weiße Hand,
Leb' wohl, mein Schatz, leb' wohl mein Schatz,
Leb' wohl, lebe wohl
Denn wir fahren, denn wir fahren,
Denn wir fahren gegen Engeland, Engeland

BB 219
 
119.29
LENAU: ANNA

Anspielung auf das Gedicht ›Anna‹ von Nikolaus Lenau, dessen Titelheldin ihre Fruchtbarkeit gegen ewige Schönheit eintauscht und dabei auch ihren Schatten verliert. Sie wird von ihrem Mann verstoßen und stirbt einsam:

Mutterleid, das wonnereiche,
Hat ihr Antlitz nie versehrt,
Aber bis zur Totenbleiche
Hat der Jammer es verheert.

[…]

Sieben leichte Lichtgestalten
Jetzt an ihr vorüberziehn
Und mit stummem Händefalten
Vor dem Altar niederknien.

Anna sich mit zitternd leisen
Schritten den Gestalten naht:
»Meine ungebornen Waisen!
Ach, verzeiht ihr, was ich tat?

Grausam frevelnd ausgestoßen
Hab ich euer keimend Herz,
Von den Freuden ausgeschlossen,
Von dem trauten Erdenschmerz!«

Und sie nicken, ihr vergebend,
Lächelnd zugewandt, doch stumm;
Und der Alte, näher schwebend,
Schlingt die Arme ihr herum.

Anna sinkt zu Boden nieder,
Ihr entgleiten Schmerz und Not,
Und sie klagt und weint nicht wieder;
Der Einsiedel war der Tod.

BB 17–18, S. 19
 
121.21
‹STRANGERS WHEN WE MEET› […] ‹SECOND ENDING› […] ‹BLACKBOARD JUNGLE› […] ‹A MATTER OF CONVICTION›

Romane von Evan Hunter, von denen Schmidt drei übersetzte: ›Strangers when we meet / An einem Montagmorgen‹ (1958 / 1959) ›Second Ending / Aber wehe dem einzelnen‹ (1956 / 1957) und ›A matter of conviction / Recht für Rafael Morrez‹ (1959 / 1960). ›Blackboard Jungle‹ erschien 1954.

BB 17–18, S. 19
 
122.11
infolgedessn volle 843 am Lager! (‹Vertrack von Verdun› mußte man jedesmal denkn.

Im Vertrag von Verdun wurde am 10. August 843 die Aufteilung des Fränkischen Reichs in Westreich (Frankreich), Ostreich (Deutschland) und Mittelreich (Lothringen) beschlossen.

BB 219
 
122.18
(Und was das ‹indiwieduelle Vorgehen› nich geschafft hatte, leistete ergänzend unsere ‹Lumbeck=Kulltur› – […] (Von denen drei=Viertel bereiz aus loosn Blättern beschtandn: Oh Lumbecklumbeck, graußer Lumbeck=Du!)

Als »Lumbecken« bezeichnet man eine 1936 von Emil Lumbeck entwickelte Klebebindung bei Büchern.

BB 17–18, S. 20
 
122.24
‹FROM HERE TO ETERNITY›

Roman von James Jones; der Titel ist eine Anspielung auf die Ballade ›Gentleman-Rankers‹ von Rudyard Kipling, in der es heißt: »Damned from here to Eternity«.

BB 219
 
122.35
Von Einem, der sich selbst ‹SAINT MARTIN› genannt hatte, ‹Le Crocodile; ou la Guerre du Bien et du Mal: Poeme Epico=Magique en CII Chants.›

Louis-Claude de Saint-Martin (1743–1803), frz. Philosoph; schrieb: ›Le Crocodile, ou la Guerre du Bien et du Mal, arrivée sous le règne de Louis XV; Poème épiquo-magique en 102 chants‹, Paris, L’Imprimerie-Librairie du Cercle-Social 1798.

BB 17–18, S. 20
 
122.38
ein weiland Rackeetist, n gewisser Brown

Wernher von Braun; entwickelte für Nazideutschland die V2, ging 1945 in die USA, wo er ab 1960 die amerikanischen Mondraketen entwickelte.

BB 219
 
123.13
HAJJI BABA OF ISPAHAN

›The Adventures of Hajjî Baba of Ispahan‹ (1824) ist ein Roman von James Justinian Morier (1780–1840). Laut Arno Schmidts Tagebuch las Schmidt den Roman am 22. und 23. August 1959.

BB 17–18, S. 20
 
124.1
Hanley=hier hatte ein dreifaches Register angeferticht

Eventuell Anspielung auf Miles L. Hanley, Autor von ›Word Index to James Joyce’s Ulysses‹ (1937).

BB 219
 
124.11
»Und=Du giepst=mier vom weichn Fühle gefällichst träumend ½ Gehör, ja?«. – (‹Blaff›. – ‹Dormi! Che vuoi tu piú?› .....

Anspielung auf die erste Strophe von Goethes ›Nachtgesang‹:

O gib, vom weichen Pfühle,
Träumend, ein halb Gehör!
Bei meinem Saitenspiele
Schlafe! was willst du mehr?

Goethe hat das Gedicht nach dem Vorbild eines italienischen Volksliedes mit dem Refrain ›Dormi, che vuoi di più‹ (= Schlafe! was willst du mehr?) geschrieben.

BB 4, [S. 13]
Goethe
124.39
und abbaddonnische Namen ohn’ Ende

Offenbarung 9,11:

Und hatten über sich einen König, den Engel des Abgrunds, des Name heißt auf hebräisch Abaddon […].

BB 23
[Luther]
125.12
Jean Astruc? – Potz Elohist & Jahwist

Jean Astruc (* 1684 in Sauve; † 1766 in Paris) war ein französischer Arzt, Professor der Medizin und Begründer der modernen Bibelkritik des Pentateuchs.

Der Sohn eines reformierten Pfarrers jüdischer Abstammung veröffentlichte 1753 in Brüssel die ›Conjectures sur les mémoires originaux, dont il paroit que Moyse s’est servi pour composer le livre de la Genèse‹ (›Vermutungen über die ursprünglichen Quellen, deren sich Mose bediente, um das Buch der Genesis zu verfassen‹). Darin thematisierte er den Unterschied einer elohistischen und einer jahwistischen Quelle im Pentateuch und wurde dadurch zum Begründer der neueren Pentateuchkritik.

BB 17–18, S. 21
[Wikipedia]
125.14
(die Mormonen kauten ja genau so wacker an Zarahemla & Liahona.)

›Zarahemla‹ ist im Buch Mormon der Name eines Landes und einer Stadt in Amerika der vorchristlichen Zeit; ›Liahona‹ ist ein besonderer Richtungsweiser.

BB 23
 
125.15
‹Die Penuel=Sage – Jaqobs Ringkampf mit der Gottheit›.

›Jaqobs Ringkampf mit der Gottheit‹ ist die Überschrift des 51. Kapitels von: ›Genesis‹, übersetzt und erklärt von Hermann Gunkel. Schmidt besaß die 3. Auflage von 1910 (BVZ 806; Besitzervermerk: »Arno Schmidt 19.V.1958«). Der Bericht ist teilweise aus Gunkels Kommentar montiert. – ›Penuel‹ (1. Moses 32.31):

Und Jakob hieß die Stätte Pniel; denn ich habe Gott von Angesicht gesehen, und meine Seele ist genesen

Laut Arno Schmidts Tagebuch beschäftigte er sich bereits am 21. Mai 1958 mit der Sage; am 22.5. notiert er:

Lese Genesis=Kommentar: Hochinteressant!!

BB 23
[Gunkel]
127.2
Und das ‹güldene Halsband› PROVERBIEN 11, 21, war im Original n ‹Naasn=Rink› ?!

Die ›Proverbien› sind das ›Buch der Sprichwörter‹, auch ›Sprüche Salomos‹ im AT. Proverbien 11, 22 (nicht: 21) lautet in der Lutherbibel (1545):

Ein schön weib on zucht / Jst wie ein Saw mit einem gülden Harband

Luther-Bibel
127.16
Die Währungs=Tabelle im Buch ALMA 11=5, undsoweiter ‹Senine, Seon, Shum, Limnah.›

›Alma‹ ist ein Buch aus dem dem ›Buch Mormon‹. Vers 11,5 lautet:

Now the reckoning is thus – a senine of gold, a seon of gold, a shum of gold, and a limnah of gold.

The Book of Alma
127.16
Zweite NEPHI, 5=15 angeblich etwas über Bearbeitunk ?

›Nephi‹ ist ein Buch aus dem ›Buch Mormon‹. 2. Nephi 5,15 lautet:

And I did teach my people to build buildings, and to work in all manner of wood, and of iron, and of copper, and of brass, and of steel, and of gold, and of silver, and of precious ores, which were in great abundance.

The Second Book of Nehpi
127.25
‹Cardinal Spellman›

Vermutlich gemeint: Kardinal Francis Joseph Spellman (1889–1967), Erzbischof von New York und Leiter der Militärseelsorge der USA.

BB 219
 
129.2
Unwirrsch

»Hans Unwirrsch« ist der Name des Helden in Wilhelm Raabes Roman ›Der Hungerpastor‹.

BB 23
 
129.25
»Es handelt sich allerdinx mehr um Beta=Orionis, mein Kint.«

»Beta Orionis« ist der astronomische Name für Rigel, den hellsten Stern im Sternbild Orion.

[Wikipedia]
129.31
Sie liepte, es ist Frauenweise, solche Youngsnachtgedankn

S. den Kommentar zu S. 116.

BB 4, [S. 13]
 
135.6
»Im Weiden=Nest.« […] »Das Zümmbaal des Moondes. Von Fetzen umlappt.« (Hertha; a la ‹3 Ziegeuner fand ich einmahl›.)

Anspielung auf ›Die drei Zigeuner‹ von Nikolaus Lenau:

Die drei Zigeuner
Drei Zigeuner fand ich einmal
Liegen an einer Weide
Als mein Fuhrwerk mit müder Qual
Schlich durch sandige Heide.

[…]

Und der dritte behaglich schlief,
Und sein Zimbal im Baum hing,
Ueber die Saiten der Windhauch lief,
Ueber sein Herz ein Traum ging.

An den Kleidern trugen die drei
Löcher und bunte Flicken,
Aber sie boten trotzig frei
Spott den Erdengeschicken.

[…]

BB 17–18, S. 21
Lenau
137.8
Dahin=dahin möcht’ich mit Dir

Zitat aus dem Lied der Mignon im ersten Kapitel des dritten Buches von Goethes ›Wilhelm Meisters Lehrjahre‹:

Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn,
Im dunkeln Laub die Goldorangen glühn,
Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,
Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht,
Kennst du es wohl?
Dahin! Dahin
Möcht' ich mit dir, o mein Geliebter, ziehn!

BB 23
[Goethe]
137.13
Und hoch, in die Kreisschlösser

In seinem im Februar 1959 geschriebenen Dialog ›Die Kreisschlösser‹ beschreibt Schmidt Gruithuisens Theorie eines bewohnten Mondes:

A.: Beim Sinus Hipponiates sieht er mehrere der Trampelpfade zusammenlaufen: »Werden hier Wallfahrten her gemacht? Oder wird da Bergbau betrieben? Haben die Mondbewohner auch Straßen unter dem Boden? Die Umstände erzeugen bey ihnen allerdings ein Bedürfnis der Wanderungen auch bey Nachtzeit.« – Vielleicht erleben wir noch, wie diese Gruithuisenschen Theorien von lunarischen Untergrundbahnen zwischen den einzelnen Kreisschlössern befahrbarste Wirklichkeit werden. […]

[…]

A.: Unvergessen jedoch sei der letzte Vorschlag des quijotisch=ingeniösen Mannes. Um eine direkte Verständigung mit den von ihm vermuteten Seleniten aufzunehmen, erkannte er die einzige Möglichkeit in der – notwendigerweise auch Jenen geläufigen – Geometrie: Wer Städte bauen kann, muß Mathematiker sein! Also proponierte er der Petersburger Akademie der Wissenschaften: in den Weiten Sibiriens riesige Steckrübenfelder anzulegen, in der Figur des Pythagoräischen Lehrsatzes. Ein leeres rechtwinkliges Dreieck; die Quadrate der Katheten, wie das der Hypothenuse, farbig bepflanzt. Nicht lange würde man, so vermeinte er, zu harren haben, um die entsprechende optische Antwort neben einem seiner Kreisschlösser zu erblicken.

BB 23
BA II/2, S. 239–241
137.25
Und wenn mir auch die Ent=Rüstung nicht gelungen war: die Entrüstung scholl & groll so voll & echt, wie das Glück von Edenhall;

›Das Glück von Edenhall‹ ist ein Gedicht von Ludwig Uhland:

Der Schenk vernimmt ungern den Spruch,
Des Hauses ältester Vassall,
Nimmt zögernd aus dem seidnen Tuch
Das hohe Trinkglas von Kristall,
Sie nennen's: »das Glück von Edenhall«.

[…]

Und als das Trinkglas gellend springt,
Springt das Gewölb mit jähem Knall,
Und aus dem Riß die Flamme dringt;
Die Gäste sind zerstoben all
Mit dem brechenden Glücke von Edenhall.

[…]

»Die Steinwand«, spricht er, »springt zu Stück,
Die hohe Säule muß zu Fall,
Glas ist der Erde Stolz und Glück,
In Splitter fällt der Erdenball
Einst gleich dem Glücke von Edenhall.«

BB 17–18, S. 21
Uhland
137.31
wyandottisches Kint […] echte Wyandotten & Leghorns

Wyandot sind ein Indianerstamm der Huronen; unter anderem von James Fenimore Cooper in seinen ›Ledestrumpf‹-Romanen geschildert, Cooper schrieb auch einen Roman ›Wyandotté‹. Gleichzeitig bezeichnen »Wyandotten & Leghorns« zwei amerikanische Haushuhnrassen.

BB 23
 
137.36
Potz greengages & Celler Dickschtiel

Greengage und Celler Dickstil sind zwei Apfelsorten.

BB 219
 
139.1
‹Denn wir fah=ränn: Dänn wir fah=ränn …›

Zitat aus Löns’ ›Matrosenlied‹; vgl. S. 118.

BB 219
 
142.26
Und wieder am härenen Brust=Harnisch nesteln. Und scheitern. Nesteln?: Scheitern. So mochte auch=Tasso an seiner Prinntzessin gescheitert sein; an seinem Felsen, an dem er sich festhaltn wollte; fest=klammern sogar wohl, glaub’s gern.

Anspielung auf den Schluss des 5. Aktes von Goethes ›Tasso‹:

TASSO.
O edler Mann! Du stehest fest und still,
Ich scheine nur die sturmbewegte Welle.
Allein bedenk, und überhebe nicht
Dich deiner Kraft! Die mächtige Natur,
Die diesen Felsen gründete, hat auch
Der Welle die Beweglichkeit gegeben.
Sie sendet ihren Sturm, die Welle flieht
Und schwankt und schwillt und beugt sich schäumend über
In dieser Woge spiegelte so schön
Die Sonne sich, es ruhten die Gestirne
An dieser Brust, die zärtlich sich bewegte.
Verschwunden ist der Glanz, entflohn die Ruhe.
Ich kenne mich in der Gefahr nicht mehr,
Und schäme mich nicht mehr es zu bekennen
Zerbrochen ist das Steuer und es kracht
Das Schiff an allen Seiten. Berstend reißt
Der Boden unter meinen Füßen auf!
Ich fasse dich mit beiden Armen an!
So klammert sich der Schiffer endlich noch
Am Felsen fest, an dem er scheitern sollte.

Goethe
143.13
Unt dem ab=tragenden Whig=Tory=Görrl den – gemäß Raumschiffahrts=Ordnunk § 843, Absatz zwo vorgesehenen – letzten Kuß raubm .....

Die liberalen Whigs und die Konservartiven Tories waren lange Zeit die beiden einzigen Parteien des britischen Unterhauses. – Zu »Victory Girl« schreibt die ›Encyclopedia of Children and Childhood in History and Society‹:

Though she often resists exact definition, the »victory girl« was generally a teenaged girl or young woman who exhibited her patriotism by offering companionship, and often sex, to servicemen during World War II. […] The behavior of victory girls was hardly new; so-called patriotic prostitutes and charity girls attracted the concerned attention of Progressive reformers and military officials during World War I.

BB 17–18, S. 21
[Quelle]
145.27
»Scheol! –: Scheol!«

Scheol, bei den Hebräern die gemeinsame Behausung aller Gestorbenen, s.u. Hölle.

Hölle […] Auch bei den alten Hebräern ist der Scheol die gemeinsame Behausung aller Gestorbenen; er ist ein stiller, finsterer, reizloser Ort, in der Tiefe der Erde gelegen, wo die dort Versammelten in einem schlummerähnlichen, unthätigen, freudelosen, unempfindlichen Zustande sich befinden.

BB 4, [S. 14]
Pierer
146.29
Broca’schn Windung

Der französische Arzt Paul Broca (1824–1880) lokalisierte das Sprachzentrum im Gehirn.

BB 23
 
147.13
(‹Wille wau=wau=wau, vito: Huh!›):

Refrain aus Goethes Gedicht ›Zigeunerlied‹:

Im Nebelgeriesel, im tiefen Schnee,
Im wilden Wald, in der Winternacht,
Ich hörte der Wölfe Hungergeheul,
Ich' hörte der Eulen Geschrei:
Wille wau wau wau!
Wille wo wo wo!
Wito hu!

BB 17–18, S. 22
Goethe
147.17
das gewisse ‹filosofische Schtaun’n› des Herrn Aries Tottle.

Das »Staunen« ist für Aristoteles der Beginn des Philosophierens. Die Verschreibung des Namens hat Schmidt vermutlich aus E. A. Poe’s ›Heureka‹ (das Schmidt später für die Poe-Ausgabe übersetzte):

[…] there lived a Turkish philosopher called Aries and surnamed Tottle. […] Aries Tottle flourished supreme […].

BB 20
[Poe, Heureka]
147.22
Nur die klein’n 2 und 3 Mann=Geschosse, die ‹Shooting Stars›, funktzjoniertn noch.

Die Lockheed P-80 Shooting Star war der erste Düsenjäger der USA, der in den operativen Einsatz kam. […] Der erste Prototyp flog unter der Bezeichnung XP-80 erstmals am 8. Januar 1944 […]. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurden 45 Maschinen ausgeliefert, nur vier YP-80 gelangten in dieser Zeit noch nach Europa. […] Keine der Maschinen kam bis zum Kriegsende in den Kampfeinsatz. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Produktion fortgesetzt. 1732 P-80A, B oder C wurden bis zur Einstellung der Produktion im Jahre 1950 gebaut.

Ein Düsenjäger, der zur Verbrennung des Treibstoffs Sauerstoff benötigt, würde auf dem Mond übrigens nicht »funktzjonieren«.

Hinweis von Wolf-Dieter Krüger
[Wikipedia]
148.23
Schroeter’s Regel› […] ‹For each crater, the part of the material above the surface: is approximately equal, to the volume of the interior depression below.›

Eine auf den Astronomen Johann Hieronymus Schröter (1745–1816) zurückgehende Faustregel zur Massenbestimmung von Mondkratern; vgl. dazu den dritten Zettel zu Schmidts ›Lilienthal‹-Projekt (BA Sup I, S. 68):

Die ›Schrötersche Regel‹: Randgebirge füllt den Krater!

 
148.27
(: Ihr immponniert ma nich, von HEVEL bis BALDWIN – man hat schließlich ne gute Schule besucht!).

Johannes Hevelius (1611–1687) dt. Astronom

Ralph Belknap Baldwin (1912–2010) amerik. Mondforscher.

BB 17–18, S. 22
 
148.34
Kristian Karl Gottlieb Eysenhard […] sinnreichen Lambert

Christian Carl Gottlob Eyßenhardt (?–?) deutscher Astronom; Johann Heinrich Lambert (1728–1777, elsäss. Universalgelehrter.

 
149.3
1.) im MARE CRISIUM […] gewesen sein müßte.

Zitate aus einem Brief von Eyßenhardt an Lambert vom 6. August 1774; abgedruckt in: ›Joh. Heinrich Lamberts […] deutscher gelehrter Briefwechsel‹, hg. v. Joh. Bernoulli, Berlin, Buchhandlung der Gelehrten 1782, Bd. 2, S. 283–286. Die Informationen zu Eyßenhardt entnahm Schmidt der Fußnote von Bernoulli:

Herr Christian Carl Gottlob Eyßenhardt, von Berlin, ein für die mathematischen Wissenschaften und die Astronomie viel zu früh verstorbener Liebhaber derselben, welcher von Lambert selbst darzu gezogen worden […].

BB 23
[Lambert bei Google Books]
150.14
Keinkitzler, keinkitzler. (Kann brennen so heiß .....

Anspielung auf das bekannte Volkslied (erstmals 1807 veröffentlicht):

Kein Feuer keine Kohle kann brennen so heiß,
Als heimlich Liebe, von der niemand was weiß.

BB 17–18, S. 22
 
150.18
‹Schroeters Rule›

S. 148.23

 
150.18
Und die Kreisschlösser rutschtn unter uns hinweck

Zu den »Kreisschlössern« des Franz de Paula Gruithuisen s. S. 137.13.

BB 23
 
150.19
Potz Pastorff & Greutheusen

Johann Wilhelm Pastorff (1767–1838, dt. Astronom.

Franz Paula von Gruithuisen (1774–1852) dt. Astronom.

BB 23
 
150.20
1 Logarittmentafel; ne zehnschtellije: Wegawega

Der slowenische Mathematiker Georg von Vega (1754 od. 1756–1802) schrieb die zehnstellige Logarithmentafel ›Thesaurus logarithmorum completus‹, über deren Fehler Schmidt sich mehrfach ausgelassen hat; s. a. S. 272 f.

BB 23
 
151.32
‹Tücke des Opp=Jeckts›

Die bekannte Redensart von der »Tücke des Objekts« geht auf Friedrich Theodor Vischers Roman ›Auch Einer‹ zurück, z.B.:

Wer kann nun daran denken, wer auf die Vermutung kommen, wer so übermenschliche Vorsicht üben, solche Tücke des Objekts zu vermeiden!

[…]

Von Tagesanbruch bis in die späte Nacht, solang irgend ein Mensch um den Weg ist, denkt das Objekt auf Unarten, auf Tücke.

BB 17–18, S. 23
Vischer
151.38
Handel=Mazetti, ‹Monografie der Gattung Taraxacum›

Botanisches Lehrbuch des österreichischen Botanikers Heinrich Raphael Eduard Handel-Mazzetti (1882–1940); »Taraxacum« ist der botanische Name für Löwenzahn.

 
154.32
Parrakleet

Griech.: Parakletos, der Herbeigerufene, Beistand, Anwalt.

BB 23
 
154.36
‹Je sème à tout vent› – wo hatt’ich das Motto schnell noch geleesn? Vorm Großen LAROUSSE?

Frz.: »Ich säe aus in alle Winde«; Motto des Wörterbuch-Veralgs Édition Larousse zum Bild einer jungen Frau, die die Samen eines Löwenzahns (Pusteblume) wegbläst; der ›Grand Larousse illustré‹ ist eine dreibändige Enzyklopädie.

BB 23
 
154.39
Potz Achänen & Pappushaare

»Achäne« ist der botanische Name einer Sonderform der Nussfrucht, die u. a. bei den Korbblütlern wie etwa Löwenzahn vorkommt.

»Pappus« ist der botanische Name für den Haarkranz auf den Früchten der Korbblütler.

BB 23
 
155.14
Und machte ‹die Kehre› zu mir

s. Kommentar zu S. 80

 
155.33
» ‹Ver=Gewalltijen›?: Mein lieber Kardel! – Wir haam das ma probeweise versucht, Dein Onnkl Lutwich & Ich: op er mich, alln Ernsdis, vergewalltijn könn=te ...«

Schmidt verarbeitet hier eine briefliche Mitteilung von Dorothea Schlotter vom 8. Dezember 1957:

Ich mußte daran denken, daß ich mal mit Eberh. »rücksichtslos« probierte, ob er mich vergewaltigen kann. Es war nicht möglich.

Briefe III, S. 63
157.25
Beruflich?: ne Null: n Scheiß=Lagerbuchhalter bei FALK; mit 420 Mark=brutto im Monat.

Karl Richter bewegt sich am unteren Ende der Gehaltsskala, sein Gehalt entspricht ungefähr dem der Leistungsgruppe IV, das 1959 bei durchschnittlich 444 DM lag. Weniger verdienten nur noch Angestellte der Leistungsgruppe V, die durchschnittlich 387 DM im Monat verdienten. Das durchschnittliche monatliche Bruttogehalt der Leistungsgruppe III lag bei 647 DM.

BB 20
 
158.1
Schöpf=Löffel – oder war’s 1 Écumoir?

»Écumoir«, frz. für »Schaumlöffel«; Anspielung auf das erotische Märchen ›Tanzai und Neadarne oder Der Schaumlöffel‹ von Claude-Prosper-Jolyot de Crébillon; s. a. S. 78.4.

BB 23
 
159.3
Laufjägerlauf!

Refrain des Volksliedes ›Ein Jäger längs dem Weiher ging‹:

Ein Jäger längs dem Weiher ging,
lauf, Jäger lauf!
Die Dämmerung den Wald umfing.
Lauf Jäger, lauf Jäger,
lauf, lauf, lauf,
mein lieber Jäger, guter Jäger,
lauf, lauf, lauf,
mein lieber Jäger lauf,
mein lieber Jäger lauf.

[…]

BB 23
 
159.13
‹Vor Sonnenaufgang›

Drama von Gerhart Hauptmann (1862–1946).

BB 23
 
160.31
bommbmsicher. (Was das übrijens auch wieder für’n Rint gewesn sein muß, der als Erster ‹Bombe› mit ‹sicher› verkuppelt hat! […]

Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes meint nicht »Bomben, die sicher treffen«, sondern »sicher vor Bomben«.

BB 219
 
161.8
‹Sans=Ear›

Name einer Figur in Karl Mays Roman ›Winnetou III‹ (bzw. in der Erzählung ›Deadly Dust‹, die May in ›Winnetou III‹ übernahm), die ihre Ohren im Kampf mit Indianern verloren hat. Ihr bürgerlicher Name ist Sam Hawerfield.

[Figurenlexikon]
162.18
‹S=tochastische TecksDe›

›Stochastische Texte‹ ist ein Aufsatz von Theo Lutz, der 1959 in Heft 1 von ›der augenblick‹ erschien und in dem Lutz sein Verfahren zur Gewinnung computergenerierter Text erläutert.

Es soll hier an dieser Stelle berichtet werden über ein Programm, das der Autor neulich auf der elektronischen Großrechenanlage ZUSE Z 22 im Rechenzentrum der T.H. Stuttgart durchgeführt hat. Die Maschine wurde verwendet zur Erzeugung von stochastischen Texten, von Sätzen also, deren Wörter zufallsmäßig bestimmt werden.

[Quelle]
165.5
IN THE DAYS OF THE COMET

Roman von H. G. Wells, in dem ein Komet dem Stickstoff in der Atmosphäre in ein atembares, stärkendes und heilkräftiges Gas verwandelt, das das Leben auf der Erde in ein paradiesisches Utopia verwandeln kann.

 
165.34
‹Schlacht von Waddekath›

Waddekath ist ein Ort in Sachsen-Anhalt, direkt an der Grenze zu Niedersachsen, rund 30 km östlich von Bargfeld.

 
165.37
Uppsa=Roka

Die Upsarokas sind ein ein Indianerstamm in Montana; treten bei Karl May in verschiedenen Romanen und Erzählungen auf.

 
167.16
(und dies war der linke Daum’): […] (Der schüttelt die Flaum’)

Beginn des bekannten Kinderreims:

Das ist der Daumen, [Daumen]
der schüttelt die Pflaumen, [Zeigefinger]
der hebt sie auf, [Mittelfinger]
der trägt sie nach Haus, [Ringfinger]
und der Kleinste, der isst sie alle auf! [Kleiner Finger]

BB 23
 
171.23
ausgeschprochen gemsengleich: Vivat Capella Hampdenii! Fehltn nur noch Hörnchen & Brunstfeige .....

Aus dem Artikel ›Gemse‹ in ›Meyers Konversationslexikon‹ von 1905:

Gemse (Gems, Capella Blas. et Keys.). Huftiergattung aus der Familie der Horntiere […]. Diese wird 1 m lang, mit 8 cm langem Schwanz, am Widerrist 75 cm hoch und 40–45 kg schwer. Sie ist gedrungen gebaut, mit ziemlich schlankem Hals, nach der Schnauze hin stark verschmälertem Kopf, spitzigen Ohren von nahezu halber Kopfeslänge, langen, starken Füßen, ziemlich plumpen Hufen und 25 cm langen, drehrunden, schwarzen, geringelten, gerade aufsteigenden, an der Spitze glatten, glänzenden, rückwärts gebogenen Hörnern (Krickeln) bei beiden Geschlechtern. Hinter letztern befindet sich eine in einen Drüsensack führende Höhle (Brunstfeige), aus der sich zur Brunstzeit eine schmierige, übelriechende Masse absondert.

BB 17–18, S. 23
Meyer
173.12
(Und dieser Gesichz=Ausdruck=jetz!): »Hertha! –: Was würde Lawwatter dazu sagn. –«

Johann Kaspar Lavater (1741–1801) entwickelte in seinen ›Physiognomischen Fragmente zur Beförderung der Menschenkenntnis und Menschenliebe‹ eine Theorie der Physiognomik.

BB 23
 
173.39
Schtock & Hut & Wohlgemuth

Zitat aus dem bekannten Kinderlied ›Hänschen klein‹:

Hänschen klein
Ging allein
In die weite Welt hinein.
Stock und Hut
Steht ihm gut,
Ist gar wohlgemut.

BB 23
 
174.13
Potz Gugel & Zaddeltracht

Aus den beiden entsprechenden Einträgen in ›Meyers Konversationslexikon‹ 1905:

Gugel (Gogel, Kugel, v. lat. cucullus), eine schon im Altertum gebräuchliche Kapuze mit Schulterkragen, im Mittelalter anfangs am Mantel, bei den Mönchen an der Kutte befestigt, seit dem 14. Jahrh. ein selbständiges Kleidungsstück beider Geschlechter, in der zweiten Hälfte des 14. Jahrh. häufig von ausgeschnittenen Zacken umgeben […].

Zatteltracht (Zaddeltracht), eine mittelalterliche Kleidermode, bei der die untern Säume der Oberkleider und der Ärmel ausgezackt oder ausgezattelt wurden. […]

BB 17–18, S. 23
Meyer
174.32
gleich hinterm Großen Kain

»Großer Kain« war der Name einer Gaststätte in der Nähe von Schmidts Wohnort Bargfeld. Sie lag ca. 10 km östlich von Eldingen an der Kreuzung der Landstraße L 282 und der Bundesstraße B 4.

Hinweis von Wolf-Dieter Krüger
 
175.3
Und schwartze Höllenhabichte harpy=niertn von oben

Eine Harpyie ([harˈpyːjə]) ist ein Fabelwesen der griechischen Mythologie. […] Die Harpyien verkörpern den Wind. […] In den früheren Erzählungen der griechischen Mythologie werden sie als schöne Frauen mit langem, schwarzem Haar und Vogelflügeln beschrieben, später sind sie hässliche Dämonen. Die Harpyien wohnten in einer Höhle auf Kreta und mussten auf Geheiß des Zeus Seelen von Toten in den Tartarus tragen oder Leute töten, die seinen Zorn erregten.

BB 17–18, S. 23
[Wikipedia]
175.8
evzonenhaft enger gegürtet

Evzones, gr.: Wohlgegürtet. Leicht bewaffnete königlich-griechische Leibgarde.

BB 23
 
175.13
Tat schon wieder maulhängkolisch.

MAULHENKOLISCH, adj. witzige umänderung von melancholisch, im 16. jahrh. aufgekommen […]

BB 17–18, S. 24
Deutsches Wörterbuch
177.16
Tchaa: was Schpreu was Trespe?

Die Spreu, plur. car. ein Collectivum, die ausgedroschenen und zerschlagenen Hülsen des Getreides und der Feldfrüchte zu bezeichnen, welche durch das Worfeln von den guten Körnern abgesondert werden, und bey dem Getreide zugleich mit den zerschlagenen Graunen oder Agen vermischet sind. […]

Die Trêspe, plur. car. ein Nahme, welcher nicht allein in Schriften, sondern auch im gemeinen Leben einer vierfachen Art eines unter dem Getreide wild wachsenden Unkrautes beygeleget, und dadurch viele Verwirrung verursachet wird. […]

BB 4, [S. 14]
Adelung 1793
177.25
HOCHZEITZ=ZUCK AUF TROLDHAUGEN

Klavierstück von Edvard Grieg (›Bryllupsdag på Troldhaugen‹).

BB 23
 
178.22
Machtn ‹die Kehre› –: »SiehsDu: Dillert. Genau.«

s. Kommentar zu S. 80

 
180.23
Orgelljuse

Eventuell eine Anspielung auf Orgeluse im ›Parzival‹:

Orgeluse ist als Frau Gawans eine Frauengestalt in Wolfram von Eschenbachs Epos ›Parzival‹. […] Sie ist die Herzogin von Logroys und wird primär über ihr stolzes, fast schon arrogantes Auftreten charakterisiert. Orgeluse unterscheidet sich von anderen Frauen vor allem durch ihr unkonventionelles Verhalten gegenüber Männern, im speziellen gegenüber Gawan. Als der Artusritter die Herzogin zum ersten mal trifft, bietet er ihr, aufgrund ihrer bezaubernden Schönheit, seine Dienste an. Obwohl sie Gawan im Folgenden nur mit Spott und Hohn begegnet und ihn mehreren lebensgefährlichen Unternehmungen aussetzt, hält er sich an sein Ritterversprechen, so dass seine Treue letzten Endes zu einer Wandlung Orgeluses führt.

BB 17–18, S. 24
[Wikipedia]
183.22
Potz Iskander & Proskynesis

»Iskander« ist die arabisch-türkisch-persische Form des griechischen Namens Alexander, meint fast immer Alexander den Großen.

Proskynēsis (gr.), fußfällige Verehrung, Anbetung.

BB 4, [S. 14]
Pierer
183.26
Und der Schtab entpurzelte meiner Schulter?!

Karl Richters Kratersturz entlehnt Motive und Formulierungen aus Jules Vernes Roman ›Schwarz-Indien‹, in dem Harry Ford in einen Bergwerksschacht stürzt.

BB 20
 
185.6
Hing sich ans Seil=über=mir; (unt das mohralische Gesetz in mir?

Anspielung auf den berühmten »Beschluß« von Kants ›Kritik der praktischen Vernunft‹:

Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmenden Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: Der bestirnte Himmel über mir, und das moralische Gesetz in mir. […]

BB 17–18, S. 25
Kant
185.19
Soup. of the Evening. –: BJUHTIEFULL SUUUP:

Zitat aus Lewis Carrolls ›Alice’s Adventures in Wonderland‹:

Beautiful Soup, so rich and green,
Waiting in a hot tureen!

BB 17–18, S. 24
Text beim Projekt Gutenberg
187.19
‹Was ich nun sah, war über alle Beschreibunk!›

Zitat aus Friedrich von Meyerns Roman ›Dya Na Sore‹ (1787); vgl. dazu auch Schmidts gleichnamigen Rundfunkdialog aus dem Jahr 1957 (BA II, 1, S. 305–331).

BB 4, [S. 14]
 
187.29
I am in a humour to justle a constable!

Anspielung auf ›The Tempest‹ von William Shakespeare (3. Akt, 2. Szene):

TRINCULO
Thou liest, most ignorant monster: I am in case to justle a constable.

BB 17–18, S. 25
Shakespeare
188.5
tapferster der Bommbardiers

Eventuell Anspielung auf Friedrich Wilhelm Hackländers Roman ›Der letzte Bombardier‹ (1870).

BB 23
 
188.35
‹Es wirt a Wein=sein›

Bekanntes Wienerlied von Ludwig Gruber (1874–1964):

Es wird a Wein sein (und wir wern nimma sein)

BB 23
 
191.26
Nadelholz=Soffittn

Eine Soffitte […] ist in der Bühnentechnik eine im gerade noch sichtbaren oberen Bereich der Bühne aufgehängte Deckenkulisse.

Die Soffitte oder Soffittenstaffel besteht aus einer beziehungsweise mehreren parallel zur Rampe aufgehängten Stoffbahnen, die meistens aus schwarzem Samt oder Molton gefertigt sind, aber auch farbig, bemalt oder ornamentiert sein können. […]

[Wikipedia]
192.2
Hatte Kennan uns nicht zur Genüge über die Unsitten der Jakuten belehrt; die, als All=Kohol=Ersatz, ‹gewisse toadstools› ihrer heimischen Tunndren fraßn? […]

Anspielung auf George Kennans ›Zeltleben in Sibirien‹:

Nach dem Schluß der Ceremonie gingen wir in das benachbarte Zelt und waren überrascht, als wir ins Freie kamen, einige stark betrunkenen Korjäken schreiend herumtorkeln zu sehen […]. Ich wußte, daß in ganz Nordkamtschatka kein Tropfen Alkohol vorhanden war […]. Auf unsere Fragen hin erhielten wir die Aufklärung; sie hatten nämlich eine Pflanze gegessen, die allgemein im Volke „Krötenstuhl“ heißt. In Sibirien giebt es eine besondere Art derselben, die von den Eingeborenen „Mukamur“ benannt wird, stark berauschend wirkt und fast von allen sibirischen Stämmen als Erregungsmittel bentutz wird.

BB 23
[Kennan, S. 155 f.]
192.15
Wahrlich: dies waren die ‹Eisernen Männer›! Vor denen Kennan uns gewarnt hatte […] und 46 Haupt=Vieh.

Anspielung auf George Kennans ›Zeltleben in Sibirien‹:

Der größere Teil dieses Stammes [der Jakuten] wohnt unmittelbar am Nordpol; sie können zweifellos viel größere Kälte ertragen als alle anderen Eingeborenen. Der russische Forscher Wrangel nannte sie »Die eisernen Männer«, und sie verdienen diese Bezeichnung. Das Thermometer zu Jakutsk, wo mehrere tausend Jakuten ansässig waren, zeigte in den drei Wintermonaten durchschnittlich 37 Grad Kälte, was ihnen jedoch nicht das geringste Unbehagen zu schaffen schien. Ich sah sie in einer Kälte von 40 Grad nur mit Hemd und Schafpelz bekleidet, plaudernd und lachend in den Straße stehen, als ob der herrlichstes Sommerwetter wäre und die lindeste Lüftchen wehtem. Sie sind die sparsamsten und thätigsten Eingeborenen Nordasiens. Eine sibirische Redensart meint, man könne einen Jakuten nackt auf die ödeste Steppe setzen, wenn man nach einem Jahr wieder nach ihm sehe, werde er dort ein großes, bequemes Haus, umgeben von Scheunen und Schobern haben, auch Pferde= und Rinderherden. […] Sie sind die einzigen Eingeborenen Sibiriens, die harte Arbeit verrichten können und wollen.

BB 20
[Kennan, S. 248]
193.19
Längere cream=hillije Lei’s:

Eventuell Anspielung auf ›Hilligenlei‹ von Gustav Frensen und auf »Leis«:

LEIS, leise, m. geistliches lied, mhd. leise als häufiger ausdruck für den geistlichen volksgesang, gekürzt aus dem rufe kyrie eleison (theil 5, 2916), den das volk melodisch beim gottesdienste erschallen liesz, und aus welchem sich der christliche gemeindegesang herausbildete […].

BB 20
Deutsches Wörterbuch
194.11
diesen Blick durchs Waschküchn=Fenster

Eventuell eine Anspielung auf eine Badeszene in Wielands Roman ›Aristipp‹, in der Aristipp eine junge Frau unversehens beim Baden beobachtet und den Blick nicht abwenden kann.

BB 20
[Aristipp]
196.20
das Auge=selbst iss ausdruxlos

Vermutlich angeregt durch Jules Vernes Roman NDer grüne Strahl‹:

Es ist ein allgemein verbreiteter Fehler, fuhr Aristobulos Ursiclos fort, als docirte er hier ex cathedra, vom Lächeln der Augen zu sprechen. Die Organe des Gesichtssinnes entbehren vollständig der Ausdrucksfähigkeit, wie die Oculistik lehrt. Beweis: Bedecken Sie ein Gesicht mit einer Larve, betrachten Sie durch dieselbe die Augen, und ich gehe jede Wette ein, daß Sie unmöglich werden unterscheiden können, ob dasselbe heiter, traurig oder wüthend aussieht.

BB 20
[Verne]
196.20
Wiesolett=Luupe

Visolettlupe, auch Lesestein, eine dicke, plan-konvex geschliffene Lupe, die mit der planen Fläche auf die Buchseite gelegt wird.

 
196.21
die ganze Lanntschaft laak voll von Fluuk=Blättchen!

Schmidt zitiert hier diverse Flugblätter, s. Materialien.

 
199.1
1 Holtz=Eimerchen mit Gefrorenem? –: […] Zahnschmertzn krickte man von der Källte.

Vgl. George Kennans Bericht in ›Zeltleben in Sibirien‹

Eine Bewegung in der Nähe der Thüre zeigte an, daß Erfrischungen gebracht wurden und ein junger Tschuanse kam bald darauf zu mir und bot mir ein große Holzgefäß an, in dem sich vier Quart rohe gefrorene Preißelbeeren befanden. […] Ich nahm ein, zwei Löffel voll und blickte Dodd fragend an. Dieser deutete mir an, daß ich es weiterreichen solle, was ich um so lieber that, als es wie saure Hagelkörner schmeckte und mir Zahnschmerz verursachte. Der nächste Gang war wieder in einem Holzgefäß und sah aus wie Hobelspäne von Tannenholz. Ich sah ganz erstaunt darein. Gefrorene Preißelbeeren und Hobelspäne waren doch die seltsamsten Erfrischungen, die mir je zu Gesicht kamen – selbst in Sibirien. […] Was ich für Hobelspäne hielt, waren jedoch rohe, gefrorene Fische, eine große Delikatesse in Sibirien, »Struganini« genannt, mit der ich später recht vertraut wurde. Diese Fischhobelspäne vermehrten nur noch meinen Zahnschmerz.

BB 20
[Kennan, S. 225]
199.25
‹Wirkommen, wirkommen, Du allter Pattron!›

Anspielung auf Goethes ›Faust II‹:

CHOR DER INSEKTEN.
Willkommen! willkommen,
Du alter Patron!

BB 23
[Faust II]
200.21
‹Potz Garrick & Kemble›

David Garrick (1716–1799); engl. Schauspieler und Dramatiker.

John Philipp Kemble (1757–1823), engl. Schauspieler und Intendant.

BB 23
 
201.15
‹Das Thor macht auf, die Thür macht weit›

Anspielung auf den bekannten Choral ›Macht hoch die Tür‹:

Macht hoch die Tür, die Tor macht weit;
es kommt der Herr der Herrlichkeit,
ein König aller Königreich,
ein Heiland aller Welt zugleich,
der Heil und Leben mit sich bringt;
derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott,
mein Schöpfer reich von Rat.

BB 23
 
201.20
‹und mehr bedarf’s nicht›

Anspielung auf Hölderlins Ode ›An die Parzen‹:

Willkommen dann, o Stille der Schattenwelt!
Zufrieden bin ich, wenn auch mein Saitenspiel
Mich nicht hinab geleitet; Einmal
Lebt ich, wie Götter, und mehr bedarfs nicht.

BB 23
[Hölderlin]
201.38
Bomann=Museum

Museum für Volkskunde, Landes- und Stadtgeschichte, Kunst in Celle, 1892 gegründet, 1928 nach seinem ersten Direktor Wilhelm Bomann benannt.

BB 4, [S. 15]
 
203.38
Der WALDSCHWARZE Kater

Anspielung auf die Erzählung ›Der Waldschwarze‹ aus Karl Mays ›Erzgebirgischen Dorfgeschichten‹ in der Bearbeitung des Karl-May-Verlags. Originaltitel bei May: ›Der Waldkönig‹.

BB 23
 
204.27
(da vergingen Einem freilich die Sentenzn Maxie’m Parra=Neesn ‹Afforismen zur Leebns=Weißheit› so gans=leicht!)

Anspielung auf das fünfte Kapitel (›Paränesen und Maximen‹) von Schopenhauers ›Aphorismen zur Lebensweisheit‹.

[Schopenhauer]
205.19
dabei war’n Betrieb hier, wie im GIL BLAS!

›Histoire de Gil Blas de Santillane‹ (1715–1735); Schelmenroman von Alain-René Lesage.

 
206.3
‹Come You with Old Khayyam›

Zitat aus der von Edard Fitzgerald übersetzten und zusammengestellten Sammlung vierzeiliger Gedichte ›Rubaiyat‹ des persischen Mathematiker, Astronom und Dichter Omar Khayyam (1048–1131), die Schmidt in einer Ausgabe von 1953 besaß (BVZ 671):

Oh, come with old Khayyam, and leave the Wise
To talk; one thing is certain, that Life flies;
One thing is certain, and the Rest is Lies;
The Flower that once has blown for ever dies.

BB 23
 
206.20
‹Come, fill the Cup›

Zitat aus ›Rubaiyat‹ (s. Kommentar zu 206.3):

Come, fill the Cup, and in the Fire of Spring
The Winter Garment of Repentance fling:
The Bird of Time has but a little way
To fly---and Lo! the Bird is on the Wing.

BB 23
 
206.30
Korydon

»Corydon« ist seit der römischen Antike der stereotype Name eines unglücklich verliebten Schäfers.

BB 23
 
208.5
Wann & Wo Johann Gottfried Schnabel geschtorbm wäre

Vgl. Schmidts Essay ›Wunderliche Fata einiger Seefahrer‹ (geschrieben am 14./15. Januar 1960):

Sein Leben ist weitgehend ungeklärt; der Mann, der den Deutschen eines ihrer liebsten und schönsten Nationalwerke schenkte, erhielt auch ihren üblichen Dank – man weiß nicht einmal, wann & wo er gestorben ist; vermutlich nach 1750.

BA III, 4, S. 18
208.31
‹die Kehre› über den Hack=Klotz

s. Kommentar zu S. 80

 
209.8
a general disinclination to work of any kind

Zitat aus Jerome K. Jerome’s Roman ›Three Men In A Boat‹; lt. Tagebuch las Schmidt den Roman am 7.9.1959:

In the present instance, going back to the liver-pill circular, I had the symptoms, beyond all mistake, the chief among them being »a general disinclination to work of any kind.«

BB 20
[Jerome K. Jerome]
211.19
Potz Tiglath=Pieleeser & Sall=Mannassar

»Tiglat-pileser« ist die deutsche Übersetzung eines akkadischen Königsnamens; »Salmanassar« der Name assyrischer Könige.

BB 23
 
212.13
Wenn das Gesäß auch näßt, Lache Bajjatzo!

Anspielung auf die Schlussarie der Oper ›Der Bajazzo‹ von Leoncavallo:

Hüll dich in Tand nur
und schminke dein Antlitz.
Die Leute zahlen und wollen lachen hier.
Und wenn dir Harlekin die Colombine raubt,
lache, Bajazzo, und jeder applaudiert!

Verwandle in Witze
die Schmerzen und die Tränen,
die Schmerzen und die Tränen
und Weh! Ah!
Lache, Bajazzo,
über die zerbrochene Liebe.
Lache über den Schmerz, der das Herz dir vergiftet.

BB 23
 
212.25
Kitschkitschkitsch=u=hund=kitsch

Anspielung auf das bekannte Handwerksgesellenlied:

Es, es, es und es,
es ist ein harter Schluß

BB 17–18, S. 26
 
212.31
‹Krabbel=Brief›

Anspielung auf Karl Mays ›Frau Pollmer‹:

So erhielt ich auf mehrere sehr ernste Briefe und Depeschen eines Tages den sogenannten »Krabbelbrief«, in dem sie [= Emma Pollmer] mir mittheilte, daß der Geist Münchmeyers alltäglich des Nachts zu ihr in das Bett komme, um sie an den Geschlechtstheilen zu »krabbeln« und dann Begattung mit ihr zu treiben.

May, Pollmer, S. 882
213.26
allso karpe die Emm jetz

Verballhornung der lateinischen Sentenz »carpe diem« (»Nutze den Tag«), die aus einer Ode des Horaz stammt.

BB 4, [S. 15]
 
214.36
‹Pöme Fennichsschtück›: Pomes Penyeach

Anspielung auf die Gedichtsammlung ›Pomes Penyeach‹ von James Joyce; die Übersetzung ›Pöme Fennichsstück‹ wählte Schmidt auch bei Stanislaus Joyces ›Meines Bruders Hüter‹, das er von März bis Mai 1959 übersetzte.

 
216.11
‹Ohseelich 1 Kinnt noch zu seyn›

Zitat aus Lortzings Oper ›Zar und Zimmermann‹ (1837) (Nr. 14, ›Lied des Zaren‹):

Sonst spielt' ich mit Zepter, mit Krone und Stern;
Das Schwert schon als Kind, ach, ich schwang es so gern!
Gespielen und Diener bedrohte mein Blick;
Froh kehrt’ ich zum Schosse des Vaters zurück.
Und liebkosend sprach er: Lieb Knabe, bist mein!
O selig, o selig, ein Kind noch zu sein!

BB 4, [S. 15]
 
220.14
Vielleicht war die kleine Erdaufschüttung daneben, la Motte, ja das ehemalije Hoch=Gericht?

Vgl. dazu Schmidts ›Fouqué und einige seiner Zeitgenossen‹:

Der Zusatz »la Motte« gehört vielen französischen Ritterfamilien gemeinschaftlich zu, und bedeutet eigentlich eine kleine Erderhöhung mit einer Burgumwallung […].

BA III, 1, S. 15
224.29
Ins Lagärr ‹Schwarrtzä Pummpä›

»Schwarze Pumpe« ist ein vermutlich nach einem Gasthaus benannter Stadtteil der brandenburgischen Stadt Spremberg; das »Gaskombinat Schwarze Pumpe« war in der DDR ein berühmtes Kombinat zur Veredelung von Braunkohle.

[Wikipedia]
224.37
Potz Ahrimanmirza & Samielhilf!

Ahriman Mirza ist in den Bänden III und IV von Karl Mays Roman ›Im Reiche des silbernen Löwen‹ der oberste Anführer des Geheimbundes der Sillan (= Schatten) und trägt Züge des Teufels.

Mit »Samiel hilf!« oder »Hilf, Samiel!« beschwört Kaspar in Webers Oper ›Der Freischütz‹ die Hilfe des Teufels.

 
225.9
‹Mennsch, weerdn Se bloß weesntlich!

Eventuell Anspielung auf den Spruch ›Zufall und Wesen‹ im ›Cherubinischen Wandersmann‹ von Angelus Silesius:

Zufall und Wesen.
Mensch werde wesentlich: denn wann die Welt vergeht /
So fällt der Zufall weg / das wesen das besteht.

Allerdings ist die Formulierung sprichwörtlich geworden, es ist also auch denkbar, dass hier keine bewusste Anspielung vorliegt.

BB 23
 
227.10
Jetzt erfuhr ich auch, wie Reshevsky mich angeführt, und mir die allerkomplizierteste Bitte um Nahrunk aufgeschriebm hatte, die ihm in der Schnellichkeit nur eingefallen war.

S. Kommentar zu Seite 71.1.

BB 20
[Kennan]
233.33
‹Te Deum laudamus›

Anfang der Hymne ›Te Deum‹ (»Großer Gott, wir loben dich«), die zu Dankfesten und Dankgottesdiensten gesungen wird.

BB 23
 
233.38
‹1 schöne Menschn=Seele finndn: […] zu retten!›

Beginn von Herders Gedicht ›Der gerettete Jüngling‹:

Eine schöne Menschenseele finden,
Ist Gewinn; ein schönerer Gewinn ist,
Sie erhalten, und der schönst’ und schwerste,
Sie, die schon verlohren war, zu retten.

[Herder]
234.24
Och, bleip Du mit Deiner Gnade, Du!

Anspielung auf den evangelischen Choral ›Ach, bleib mit Deiner Gnade‹ von Josua Stegmann.

BB 23
 
237.9
‹Bedeutend schön umgeben klar gewässer im dichten haine fraun die sich entkleidn›

Anspielung auf den zweiten Akt (›Laboratorium‹) von Goethes ›Faust II‹:

Homunculus (erstaunt).
Bedeutend! –
(Die Phiole entschlüpft aus Wagners Händen, schwebt über Faust und beleuchtet ihn.)
Schön umgeben! – Klar Gewässer
Im dichten Haine, Fraun die sich entkleiden;

BB 4, [S. 15]
Goethe
237.16
Deine urinatorischn KünnsDe.

Dieser ungewöhnliche Ausdruck ist mit Google Books lediglich in Herders ›Journal meiner Reise im Jahr 1769‹ nachweisbar:

Wasser ist eine schwerere Luft; Wellen und Ströme sind seine Winde; die Fische seine Bewohner; der Wassergrund ist eine neue Erde! Wer kennet diese? welcher Columb und Galiläi kann sie entdecken? Welche urinatorische neue Schifffahrt […]? Was würde der urinatorischen Kunst und der Schifffahrt nicht dadurch für unendliche Leichtigkeit gegeben?

BB 17–18, S. 26
[Herder]
238.37
Augustus John ‹THE WAY DOWN TO THE SEA›

Das 1909–1911 entstandene Bild des englischen Malers Augustus Edwin John zeigt vier Frauen in langen Gewändern und ein nacktes Kind am Meer.

BB 23
 [Link]
239.11
» […] Wasserzeichen im Feuchtblatt ...«. […] ([…] die Jägerschprache war ihr nicht geläufich. Also darf auch mier das Waidloch wieder nässn.)

Das »Feuchtblatt« bezeichnet in der Jägersprache die Ausmündung der Geschlechts- und Harnwege beim weiblichen Rehwild; das »Waidloch« den After des Wildes oder des Jagdhundes.

BB 17–18, S. 26
 
239.40
Das war ja richtich: bei Uns heultn Viele, wenn Kirchnlieder die alte Erde schilderten; schöner angetan als Salomonis Seide.

Anspielung auf die zweite Strophe des bekannten Choral ›Geh aus mein Herz und suche Freud‹ (1656) von Paul Gerhardt:

Die Bäume stehen voller Laub
Das Erdreich decket seinen Staub
Mit einem grünen Kleide
Narzissen und die Tulipan
Die ziehen sich viel schöner an
Als Salomonis Seide.

BB 4, [S. 15]
 
241.25
Aber der HErr wird mich=Dir nehm’m: MICH, in meiner Gůttheet ...« […] Mier, schließlich & endlich, schien es vorbehaltn gebliebm, das ‹u› geschickt nach ‹o› hin zu schprechn.

A sagt: »ich in meiner gootheit« für Guttheit!

Alice Schmidt, ›Tagebuch 1955‹, S. 172
242.8
Turnier von Ashby=de=la=Zouche

Ashby de la Zouche ist eine Stadt in der englischen Grafschaft Leicestershire. – In Walter Scotts Roman ›Ivanhoe‹ findet dort ein großes Turnier statt.

[Ivanhoe]
245.6
Potz Noah & Ut=Nápischtimm

Utnapischtim ist der auserwählte Held der Sintflugsage des Gilgamesch-Epos’.

BB 23
 
246.21
‹Puhlafuca=Puhlafuca›

Anspielung auf James Joyce ›Ulysses‹:

(The sound of a waterfall is heard in bright cascade.)

THE WATERFALL:

Poulaphouca Poulaphouca
Poulaphouca Poulaphouca.

S. auch S. 274.

BB 17–18, S. 27
[Ulysses]
251.32
das war wohl schon zu Sinantroppuß=Zeitn 1 Natur=Gesetz

»Sinanthropus pekinensis« (Peking-Mensch) war der Name für in China gefundene Fossilien einer ausgestorbenen, eiszeitlichen Spezies des Menschen; wird heute überwiegend als Homo erectus pekinensis bezeichnet.

Wikipedia
251.39
Frau Minnetrost

Figur aus Fouqués Roman ›Der Zauberring‹.

 
255.10
COLUMELLA

Lucius Iunius Moderatus Columella (* Gades, † um 70 n. Chr.), römischer Landwirtschaftler und Schriftsteller.

BB 17–18, S. 27
 
256.17
Sie Alalie, ich Halali! – Aber schon schluckte sie ihre Schprachlosichkeit herunter.

Alalie = griechisch, Sprachlosigkeit.

BB 17–18, S. 27
 
256.27
Ansichtn von der Nacht=Seite der Natur

Anspielung auf Gotthilf Heinrich Schubert (1780–1860) ›Ansichten von der Nachtseite der Naturwissenschaft‹ (1808).

BB 17–18, S. 27
 
258.18
‹Years of Love have been forgot in the hatred of a minute›

Zitat aus E. A. Poes Gedicht ›To ––‹:

I heed not that my earthly lot
Hath — little of Earth in it —
That years of love have been forgot
In the hatred of a minute: —
I mourn not that the desolate
Are happier, sweet, than I,
But that you sorrow for my fate
Who am a passer by.

BB 23
[Poe]
258.30
1 Flack=Runntwall (‹La Motte› fällt mir ein)

s. Kommentar zu S. 220.14

 
261.40
»‹In noch nie geseh’ner Eile brausnd gleich emmpörtn Woogn, […] manches Roß gejaakt zu Toode.›«

Zitat aus Nikolaus Lenaus ›Die Botschaft‹ (Teil von: ›Klara Hebert. Ein Romanzenkranz‹):

Brausend gleich empörten Wogen,
In noch nie gesehnen Trachten
Kommt die Schar herangeflogen.

Wer? wohin? woher des Weges?
Rufen die erstaunten Bauern;
Doch mit Staub die Rosseshufe
Ihnen schnell den Mund vermauern. –

Es ist Christoph Gonsiewski
Von Smolensk der Woiwode,
Der mit seinen Reitgefährten
Manches Roß gejagt zu Tode.

Lenau
263.26
wie der Jabberwock=persöhnlich

Der Jabberwock ist eine geheimnisvolle, gefährliche Kreatur in Louis Carrolls Gedicht ›Jabberwocky‹ aus ›Alice in Wonderland. Through the Looking-Glass, and What Alice Found There‹ (1871):

[…]

Beware the Jabberwock, my son!
The jaws that bite, the claws that catch!
Beware the Jubjub bird, and shun
The frumious Bandersnatch!

[…]

And as in uffish thought he stood,
The Jabberwock, with eyes of flame,
Came whiffling through the tulgey wood,
And burbled as it came!

[…]

And hast thou slain the Jabberwock?
Come to my arms, my beamish boy!
O frabjous day! Callooh! Callay!
He chortled in his joy.

[…]

BB 17–18, S. 28
[Carroll]
264.1
Ich blätterte, (um Ihr & Mir Zeit zu lassn), wieder in May’s Confession’n ...: ‹Ich will den Sau=Kerl nicht mehr sehen!› hatte seine ‹Bestie› nach 20 Ehe=Jahren geschrie’n: ‹Er ist mir zum Eekl; Er muß fort!›

Zitat aus Karl Mays ›Frau Pollmer‹:

Ausrufe wie »Wenn ich den nur loswerden könnte!« waren mehr als oft zu hören. »Ich will den Saukerl nicht mehr sehen!« »Er ist mir zum Ekel; er muß fort!« […]

Als »Bestie« bezeichnet May Emma Pollmer im gesamten Text mehrfach.

[Pollmer, S. 911]
264.29
‹Solange meine Bestie leept, wirt sie mich wohl nie in Ruhe lassn.›

Zitat aus Karl Mays ›Frau Pollmer‹:

Die vorliegenden Aufzeichnungen sind nicht etwa beendet; ich führe sie fort, denn so lange meine »Bestie« lebt, wird sie mich wohl nie in Ruhe lassen.

May, Pollmer, S. 940
268.11
Potz Urim & Thummimm

Urim und Thummim waren Orakelsteine der israelitischen Hohepriester.

 
269.36
Aabmz Demonstratzjohns=Vorträge über Aßtronnommie […] nachher fraaßn mir die Beidn jeedn Aabmd das ganze Planneetn=Sissteem auf

George Kennan berichtet in ›Zeltleben in Sibirien‹ von seinen Versuchen, die langen Abenden bei den Korjäken damit zu verkürzen, Vorträge über Astronomie zu halten. Zur Demonstration benutzt er verschiedene Lebensmittel, die aber von Korjäken kurzerhand verspeist werden.

BB 20
[Kennan, S. 214 f.]
269.36
‹Briefe an 1 Prinn=zessinn›

Anspielung auf Leonhard Eulers: ›Lettres à une princesse d’Allemagne sur quelques sujets de physique et de Philosophie‹ (1783).

BB 23
 
270.14
‹Die Bestie aber schien vorzüglich geschlaafn zu habm›

Zitat aus Karl Mays ›Frau Pollmer‹:

Am Morgen sah ich dann, daß auch sie im vollen Anzug gewesen war, auf einem Stuhle sitzend. Die Bestie aber schien vorzüglich geschlafen zu haben.

[Pollmer, S. 925]
270.15
‹Kara Benn Halef›

Kara Ben Halef ist der Sohn von Hadschi Halef Omar; taucht erstmals in Karl Mays Roman ›Von Bagdad nach Stambul‹ auf und spielt besonders in ›Im Reiche des silbernen Löwen‹ eine große Rolle.

 
270.19
‹1 Amazone saß auf der Kwelle›

Anspielung auf einen bekannten Witz: Zwei Indianer übernachten zum ersten Mal in einem Hotel. Einer will Wasser holen, kommt aber mit leeren Händen zurück: »Ich konnte kein Wasser holen, ein Bleichgesicht saß auf der Quelle.« Von Schmidt auch in ›Das steinerne Herz‹ (BA I, 2, S. 104) und in ›Die Schule der Atheisten‹ (BA IV, 2, S. 11) benutzt.

 
270.19
((((Völkerschaftn ohne Kopf […]

Karl Richters Traumbilder speisen sich aus dem ›Pseudo-Kallisthenes‹, einem wahrscheinlich im 4. Jahrhundert entstandenen Alexanderroman.

BB 156–157
 
274.27
‹Pulafuca=Pulafuca›

s. S. 246.

 
276.29
‹Wee; Ich ertraak Dich nich!›

Zitat aus Goethes ›Faust I‹:

Geist
Du hast mich mächtig angezogen,
An meiner Sphäre lang gesogen,
Und nun –

Faust
Weh! ich ertrag dich nicht!

BB 23
[Faust]
276.30
Dabei nichz Un=Menschlicheres als dies Göthe=Ullriekische, Fuukeh=Allbertienische, Durcheinander Mixn der Gennera=tzjohn’n: Neenee!

Der 72jährige Goethe lernte die 17jährige Ulrike von Levetzow in Marienbad kennen; am 25. April 1833 heiratete der 56jährige Fouqué die 27jährige Albertine Tode.

BB 23